William Shakespeares Liebestragödie „Romeo and Juliet“(1595) scheint auch über 400 Jahre nach ihrer Erstaufführung eine unerschöpfliche Inspirationsquelle: Immer wieder fühlten sich Künstler aller Sparten von dem Stoff angezogen. Dass „Shakespeare ohne Worte“ bestens vermittelbar ist, haben nicht zuletzt die vielen Ballettversionen dieser klassischen Liebestragödie bewiesen. Als Rebellen gegen die familiäre und gesellschaftliche Unterdrückung und als leidenschaftlich Liebende können Romeo und Julia als Jugendkultfiguren par excellence gelten.
Brennend aktuell und für die heutige Jugend relevant sind all die Themen wie Rivalität, Identitätsfindung, soziale, kulturelle und ethnische Gegensätze, Konkurrenz und Konflikte innerhalb unterschiedlicher „Gangs“, die der Bühnenklassiker spannend reflektiert. Was lag da näher, als sich bei einer Fortsetzung des im letzten Jahr mit überwältigendem feedback von Publikum und Presse bedachten Kooperations-Tanzprojektes „Rap for Peace“ zwischen dem Stadtjugendring, dem Theater Augsburg und dem Kulturhaus Kresslesmühle genau diesem Stoff zu nähern.
Ziel und Ansporn der wiederum ca. 60 involvierten Jugendlichen, die größtenteils einen Migrationshintergrund haben, ist natürlich, ihren Erfolg vom letzten Jahr zu toppen. Die Basis dafür ist ein intensives Training und eine disziplinierte Probenarbeit, aber auch die Lust, für sich wiederum Neues in der Begegnung mit professioneller Theaterarbeit zu entdecken, das Talentpotential zu stärken und damit auch langfristig zu profitieren. Beiläufig integrieren sich so auch wichtige pädagogische Ziele wie etwa das gegenseitige Durchdringen und die von Toleranz und Anerkennung gekennzeichnete Wahrnehmung von Jugendkultur und Hochkultur oder das harmonische Miteinander verschiedener Kulturen im angstfreien Raum der konkreten künstlerischen Arbeit.
Neben den in Castings gewonnenen Jugendlichen, die sich hier im Streetstyle und diversen Formen des Hip Hop, in Gesang und sogar Schauspiel ausdrücken, Gruppen- und Solorollen übernehmen und so geschickt mehrere künstlerische Ausdrucksformen ineinander verschmelzen lassen – viele davon kennt man aus „Rap for Peace“ – sind diesmal auch engagierte Mitglieder etwa aus dem TSV 1847 (Fechtabteilung), der Israelitischen Kultusgemeinde (klass. Gesang) , dem Verein „Jüdische Jugend heute“ (Tanz, Kick-Boxen, Karate) sowie die „Glühwürmchen“ (Tanz und Gesang), Eritreische Gemeinde (Rap und Gesang) und Jugendhaus Kosmos (99 Styles, Element Dancerz, Anasty, Breakerinnen u. A-Town) dabei. Die künstlerische Gesamtleitung liegt erneut in den Händen des seit vielen Jahren am Theater Augsburg engagierten Tänzers und Choreografen Daniel Zaboj, der wiederum zwei Kolleginnen aus dem neu formierten Ballett Augsburg dafür begeistern konnte, mit den Jugendlichen gemeinsam zu performen.