INTERKULTURELLE AKADEMIE AUGSBURG
DIALOG PARTIZIPATION INKLUSION
VIELKULTURELLE STADT
BISHERIGE VERANSTALTUNGEN
ZUKUNFTSCHANCE ODER KRISENHERD? TEIL VKunst und Kultur, Migration, Diversity und neuer Kosmopolitismus SYMPOSION KREATIVE STADT IForum für die Zukunft der Pop- und Jugendkultur in Augsburg MODERNE MOSCHEEBAUTEN IN DER INTERKULTURELLEN STADTAusstellung und Öffentliches Symposium ZUKUNFTSCHANCE
ODER KRISENHERD? TEIL IV
Vortrag: Migration, Integration, Bildung: Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg
ZUKUNFTSCHANCE
ODER KRISENHERD? TEIL IV
Tagung: Jugendszenen (Hip Hop) zwischen Ausgrenzung und Partizipation oder: Wie verändern (migrantische) Jugendkulturen, Transnationalisierung und kulturelle Globalisierung unsere Gesellschaft?
ZUKUNFTSCHANCE
ODER KRISENHERD? TEIL III
Kompetenz in Szenen –
Jugendkulturen remixed

Jugendszenen, kulturelle Jugendarbeit und interkulturelle Bildung
ZUKUNFTSCHANCE
ODER KRISENHERD? TEIL III
Lernen in Szenen – Jugendkultur Live
Streetdance/HipHop, Rap/PoetrySlam, DJing/Digitale Musikproduktion, Graffiti, Videodokumentation, Comedy/Clown
ZUKUNFTSCHANCE
ODER KRISENHERD? TEIL III
(Inter)Kulturelle Bildung und Jugendszenen als Herausforderung für den Kulturbetrieb und die offene Jugendarbeit in der heterogenen Stadt
ZUKUNFTSCHANCE
ODER KRISENHERD? TEIL II
Machotum, Ehre, Kopftuchzwang und Zwangsverheiratung?
Geschlechterrollen bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund
ZUKUNFTSCHANCE
ODER KRISENHERD? TEIL II
Jugendkulturen – Culture on the RoadStreetArtWorkshops
Kulturelle Vielfalt und Skating, HipHop/Rap, Elektro/Techno, Girl Power
ZUKUNFTSCHANCE
ODER KRISENHERD? TEIL II
Jugendliche Alltagskulturen und Quartierszenen zwischen Ausgrenzung und Integration
ZUKUNFTSCHANCE
ODER KRISENHERD? TEIL I
Kulturelle Vielfalt und Parallelgesellschaft – die jugendkulturelle Identitätsdebatte und der Genderdiskurs in der vielkulturellen Stadt
Die vielkulturelle Stadt –
Zukunftschance oder Krisenherd? Teil V

KUNST UND KULTUR, MIGRATION, DIVERSITY
UND NEUER KOSMOPOLITISMUS

Aktuelle Perspektiven der Kulturpolitik und die Interkulturelle Öffnung des Kulturbetriebs in der heterogenen Stadt –
Theoretische Ansätze und Beispiele von Best Practice

Tagung:
Freitag, 27.11.09 und Samstag, 28.11.09
Neue Stadtbücherei Augsburg

Ein Kooperationsprojekt zwischen der Interkulturellen Akademie Augsburg,
der Universität Augsburg, Fach Europäische Ethnologie und
der Stadt Augsburg, Fachstelle für Integration
und interkulturelle Arbeit

Die vielkulturelle Stadt - Zukunftschance oder Krisenherd?

Verehrte Referentinnen und Referenten,
verehrte Tagungsgäste,

Peter GrabWandel leben und aktiv gestalten – im Laufe seiner Geschichte ist dies für Augsburg zu einer Selbstverständlichkeit geworden! Jede Veränderung birgt vielfältige Chancen. Wer sie erkennt und konsequent nutzt, ist für Gegenwart und Zukunft bestens gerüstet. Unsere Stadt ist – wie viele andere – in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess begriffen. Die Vorstellung von einer homogenen Mehrheitsgesellschaft ist einer vielkulturellen Realität gewichen. Diese Diversität nicht einfach nur abzubilden, sondern sie im Gegenteil aktiv umzusetzen, das ist Aufgabe unserer kommunalen Kulturarbeit. Sie erfordert einen offenen Dialog auf Augenhöhe und die bewusste Abkehr von Stereotypen. Wir wollen eine Kulturlandschaft gestalten, welche die Bedürfnisse und Wünsche aller Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen berücksichtigt. Eine Kulturlandschaft, so vielfältig wie die Menschen selbst, die sich einer Zuordnung im Sinne kulturellen Schubladendenkens oft entziehen.

Kunst und Kultur haben das Potential, Menschen zusammenzubringen und zu verbinden. Indem sie uns auf emotionaler Ebene ansprechen, überwinden sie viele Barrieren mühelos. Wir haben in unserer Friedensstadt Augsburg bereits viele positive Erfahrungen gemacht, nicht zuletzt beim Festival der Kulturen oder beim Festival der 1000 Töne. Interkulturelle Öffnung verlangt aber noch mehr: Alle Einrichtungen und Institutionen müssen die vielkulturelle Realität ganz selbstverständlich in ihre Konzepte und Planungen einbeziehen.

Hier stehen wir noch am Anfang – daher freue ich mich auf die zahlreichen Impulse dieser wegweisenden Tagung! Denn: Unser Ziel ist es, die Zukunft unserer Friedensstadt gemeinsam mit allen Bürgerinnen und Bürgern zu gestalten!

Ich wünsche Ihnen fruchtbare Diskussionen und viele gute Begegnungen!

Ihr Peter Grab
Bürgermeister, Referent für Kultur, Jugendkultur und Sport

Hansi RuileEditorial zur Tagung
Hansi Ruile, Interkulturelle Akademie Augsburg

„Die  Fähigkeit, mit  gesellschaftlichen  Unterschieden zu leben, ist die Schlüsselfrage des 21. Jahrhunderts“
Stuart Hall

„Das Gesicht der Städte hat sich durch die Globalisierung von Wirtschaft und Wissenschaft, die Internationalisierung von Handelsbeziehungen und Arbeitsmärkten zunehmend verändert. Die Migration – als Chance wahrgenommen – ist sichtbarer Ausdruck dieses Wandels. Prägend für die multiethnische Gesellschaft – gerade in den großen Städten – ist kulturelle Diversität. Unterschiedliche Kulturen werden aufgenommen, kommunizieren miteinander und wahren ihre Eigenständigkeit.
Vor diesem Hintergrund steht die kommunale Kulturarbeit vor der Herausforderung, die gesellschaftliche Vielfalt nicht nur wahrzunehmen, sondern aktiv Strategien der kulturellenTeilhabe zu entwickeln. Für demokratische und freiheitliche Gesellschaften ist es unerlässlich, dass zukunftsweisende Prozesse der kulturellen und sozialen Integration gelingen. Interkulturelle Kompetenz ist auch ein Faktor für wirtschaftliche Prosperität.
Der programmatische Anspruch, Kunst und Kultur für alle und von allen zu ermöglichen, muss auch für Zuwanderer eingelöst werden. Dazu bedarf es einer Öffnung der bestehenden kommunalen Einrichtungen, Programme und Dienste für die kulturellen Bedürfnisse und Interessen der MigrantInnen, wie auch einer Unterstützung und Förderung ihrer künstlerischen Ausdrucksformen.
Kultur und Kunst sind für einen gelingenden interkulturellen Dialog unverzichtbar. Die den Künsten innewohnende Dynamik, ihr Experimentier- und Innovationscharakter, ihr emotionales Potential und nicht zuletzt die Möglichkeit der nonverbalen Kommuni-kation erleichtern und befördern die Begegnung mit anderen Kulturen und Traditionen und verstärken die wechselseitige Akzeptanz. So können besonders kulturelle Bil-dungsprozesse unterschiedliche Wertvorstellungen und Lebensformen vermitteln. Kenntnis und Verständnis füreinander sind wesentliche Voraussetzungen für ein gewaltfreies Zusammenleben in der Stadtgesellschaft.

Die Städte als Hauptträger der Kultureinrichtungen und der Kulturförderung in Deutschland stehen in einer besonderen Verantwortung, diesen interkulturellen Dialog zu fördern. Gerade vor Ort, in den Stadtquartieren, muss sich das Engagement für den interkulturellen Dialog in grundsätzlichen Positionen ebenso wie in konkreten Kulturangeboten für, von und mit MigrantInnen bewähren. Insofern erfüllen die Künste auch eine unverzichtbare soziale Funktion für das Zusammenleben in den Städten und Gemeinden.“
Soweit die Empfehlungen anlässlich des Kongresses „Vielfalt verbindet“ vom 3.-5. September 2008 in Dortmund, die auch Eingang finden sollen in unsere Tagung „Kunst und Kultur, Migration, Diversity und neuer Kosmopolitismus in der heterogenen Stadt“.

Nach den Tagungen der Interkulturellen Akademie im Nov 05, 06, 07 und 08 setzt sich die Veranstaltungsreihe „Die vielkulturelle Stadt – Zukunftschance oder Krisenherd?“ im November 09 in ihrer 5. Ausgabe mit der interkulturellen Öffnung der Einrichtungen des Kulturbetriebs vor dem Hintergrund der kulturellen Globalisierung, der weltweiten Migrationsbewegungen und der Komplexität unserer Stadtgesellschaften auseinander.
Im Mittelpunkt steht dabei zunächst die Beschäftigung mit dem Wandel der heutigen Stadtgesellschaft, die zunehmend von Heterogenität und Differenz in kultureller, ethnischer, religiöser, sozialer und lebensweltlicher Hinsicht gekennzeichnet ist. In einem zweiten Schritt möchte die Tagung dann die damit verbundenen Herausforderungen für die Kulturpolitik, die Einrichtungen des Kulturbetriebs und der Kulturszenen mit theoretischen Ansätzen und konkreten Beispielen unterschiedlicher Kommunen beleuchten.

Gerade die Friedensstadt Augsburg, die im Städteranking bei Menschen mit Migrations-hintergrund mit bis zu 40% an 4. Stelle in Deutschland positioniert ist, steht vor der Aufgabe, den Zusammenhalt und die Kohäsion der durch Super-Diversity gekennzeichneten Stadtgesellschaft durch geeignete Maßnahmen zu fördern und den sozialen Fliehkräften der Fragmentierung glaubwürdig entgegenzuwirken. Kunst und Kultur können hier auf anspruchsvolle und adäquate Weise neue Formen der Anerkennung und des Miteinanders in der Differenz und der Vielfalt auf kreative Weise gestalten. Nicht umsonst findet die Tagung auch im Rahmen des FESTIVALS DER 1000 TÖNE statt, das vor dem historischen Hintergrund des Augsburger Religionsfriedens versucht, den Stellenwert kultureller Strategien und künstlerischer Praxis im Umgang mit Vielfalt und Differenz auszuloten. Es kann bei der Tagung und beim FESTIVAL DER 1000 TÖNE allerdings nicht um den vordergründigen Versuch gehen, die Kultur im Sinne einer falsch verstanden Assimilationsabsicht oder naiver Multikulti-Fantasien zu instrumentalisieren, sondern im Gegenteil darum, kulturelle und künstlerische Perspektiven im Diskurs um den Respekt vor Differenz und Anerkennung von Vielfalt in der pluralen Zivilgesellschaft zu entwerfen. Einen besonderen Stellenwert haben bei den Tagungen der Interkultu-rellen Akademie in diesem Zusammenhang immer die weltweit agierenden und lokal verorteten Jugendkulturen wie zum Beispiel HipHop eingenommen, da sie in ihren transnationalen Ausformungen und ihren lokalen Strategien neue Wege von individuellem Kompetenzerwerb und eigenständigem künstlerischem Ausdruck im Kontext von Szenen in einer globalisierten Welt vermitteln. Als konkretes Beispiel sei hier das jugendkulturelle Tanz-Theater-Projekt RAP FOR PEACE zwischen dem Theater Augsburg, dem Stadtjugendring und dem Kulturhaus Kresslesmühle genannt, das im Tagungsumfeld im Rahmen des FESTIVALS DER 1000 TÖNE mit seiner neuen Produktion „Body Talks“ am 29. November in der Komödie Premiere hat.
Die beiden Beispiele belegen, dass Augsburg sich auf den Weg gemacht hat mit einer gewandelten Kulturpolitik auf den Wandel der Gesellschaft zu reagieren. Die Tagung zeigt aber insbesondere mit den Beispielen der Kulturpolitik in Nürnberg, in Mannheim und in Nordrhein-Westfalen, wie sich die Kommunen und die Länder Deutschlands im Umgang mit Migration, Interkulturalität und Globalisierung kulturell neu ausrichten und Wege für die interkulturelle Öffnung unserer Städte im Zeitalter der Globalisierung entwickeln.

Die Tagung ist neben ihrer theoretischen Einführung stark praxisorientiert und richtet sich nicht nur ein wissenschaftliches Fachpublikum und Studierende, sondern ausdrücklich an alle in der praktischen (inter)kulturellen, jugendkulturellen, sozialen, schulischen und künstlerischen Arbeit Tätigen oder an ihr Interessierten.

Tagungsprogramm am Freitag, 27. November 2009

9.00 Uhr Come Together
9.15 Uhr Begrüßung
Peter Grab, Bürgermeister und Kulturreferent
Matthias Garte, Fachstelle für Integration und Interkulturelle Arbeit
Hansi Ruile, Interkulturelle Akademie
Moderation: Dr. Susanne Stemmler
Leiterin des Bereiches ”Literatur, Gesellschaft, Wissenschaft” am Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind urbane Kulturen, transkulturelle Prozesse sowie literarische und klangliche Stadtbilder.

9.30 Uhr bis 10.15 Uhr
Mark Terkessidis
Journalist, Autor und Migrationsforscher
”In Deutschland läuft man ständig gegen die Wand”. Das Programm Interkultur: Vielheit, Individualismus, Barrierefreiheit und institutioneller Wandel.

10.15 Uhr bis 11.00 Uhr
Dr. Regina Römhild
LMU München, Institut für Soziologie, Lehrstuhl Ulrich Beck
Deutschland transnational: Migration und der neue Kosmopolitismus "von unten"

11.00 Uhr bis 11.15 Uhr Pause

11.15 Uhr bis 12.00 Uhr
Andreas Freudenberg
eh. Leiter der Werkstatt der Kulturen und Initiator des Karneval der Kulturen, Berlin
„Plädoyer für die kosmopolitische Stadt – Kulturpolitik in der kulturell pluralen Stadtgesellschaft“

12.00 Uhr bis 13.30 Uhr Mittagspause

13.30 Uhr bis 14.15 Uhr
Klaus Farin
Leiter des Archivs Jugendkulturen, Berlin
„Jugend(kulturen) als Sicherheitsrisiko“

14.15 Uhr bis 15.00 Uhr
Fragen und Podiumsdiskussion zu den Referaten mit Regina Römhild, Andreas Freudenberg, Klaus Farin, Susanne Stemmler
„Die kosmopolitische Stadt und Diversity – Bedrohung, Herausforderung, Normalität?“
Moderation: Prof. Sabine Doering-Manteuffel
Fach Europäische Ethnologie Universität Augsburg

15.00 Uhr bis 15.45 Uhr
Jürgen Markwirth
Leiter des Amtes für Kultur und Freizeit Nürnberg
„Interkulturelle Kulturarbeit und interkulturelle Öffnung der Kultureinrichtungen in Nürnberg“

15.45 Uhr bis 16.30 Uhr
Sabine Schirra
Kulturamtsleiterin Mannheim „Interkulturelle Kulturarbeit der Stadt Mannheim – Konzepte, Entstehung, Erfahrungen“

16.30 Uhr bis 17.15 Uhr
Timo Köster
Kulturamt der Augsburg
„Interkulturelle Kulturarbeit – Konzepte und Projekte in Augsburg“

17.15 Uhr bis 18.00 Uhr
Erfahrungsaustausch und Podiumsdiskussion zu den Referaten
„Chancen und Perspektiven kommunaler Kulturpolitik in der heterogenen Stadt“
mit Sabine Schirra, Jürgen Markwirth, Timo Köster
Moderation: Matthias Garte
Fachstelle für Integration und Interkulturelle Arbeit der Stadt Augsburg

Tagungsprogramm am Samstag, 28. November 2009

Moderation: Matthias Garte
Leiter der Fachstelle für Integration und Interkulturelle Arbeit der Stadt Augsburg

9.00 Uhr bis 10.00 Uhr
Ulla Harting
Kulturabteilung der Staatskanzlei NRW, Referatsleiterin für Interkulturelle Kulturarbeit „Interkulturelle Kulturarbeit in NRW“

10.00 Uhr bis 11.00 Uhr
Klaus Gerhards
Geschäftsführer iD-Agentur-Ruhr
Die Sinus-Studie ”Milieus von Menschen mit Migrationshintergrund” und das ”Kultur-Special”

11.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Gabriela Schmitt
Geschäftsführerin interkultur.pro
„interkultur.pro – Professionalisierung des interkulturellen Kunst- und Kulturmanagements“ Was ist interkultur.pro?

12.00 Uhr bis 13.00 Uhr
Fragen und Podiumsdiskussion zu den Referaten
mit Ulla Harting, Klaus Gerhards, Gabriela Schmitt
Moderation: Matthais Garte

Leiter der Fachstelle für Integration und Interkulturelle Arbeit der Stadt Augsburg

13.00 Uhr bis 14.30 Uhr Mittagspause

14.30 Uhr bis 15.15 Uhr
Dolores Smith
Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin
”Kulturelle Bildung, Interkultur und Jugendkulturen”
Make art not war ... Von Show-Kämpfen, Scheingefechten und ernsthaftem Ringen um Chancengleichheit in der Kultur-Arena

15.15 Uhr bis 16.00 Uhr
Dr. Dorothea Kolland
Leiterin des Kulturamts Neukölln, Berlin
„Intercultural Cities – Europäische Perspektiven der Interkulturellen Öffnung der Kultureinrichtungen“

16.00 Uhr
Abschlussdiskussion
Moderation: Peter Bommas
Kulturpark West, Junges Theater Augsburg

Statements

Sabine Döring-ManteuffelProf. Dr. Sabine Doering-ManteuffelEuropäische Ethnologie, Universität Augsburg

Die heterogene Stadt – das ist eine sanfte Umschreibung eines hochdynamischen Prozesses, der derzeit unsere Gesellschaft erfasst und zu einer völlig neuen Lebenswirklichkeit der kommenden Generationen führen wird. Eigenartigerweise hat der Kunst- und Kulturbetrieb bislang kaum in nennenswerter Weise darauf reagiert. Die großen internationalen Schauen und Festivals der vergangenen Jahrzehnte, die nicht nur ein Teil des Kunstbetriebs, sondern auch des nun abflauenden Kunstmarktes waren, verstanden unter Avantgarde selten jenen neuen Kosmopolitismus in Europa, der als Utopie von der Entgrenzung der Nationalstaatlichkeit seit einiger Zeit Karriere macht.
Ernst genommen, bedeutet dieses Konzept eine völlig neue Sicht auf Kunst und Kultur, die sich von Vorstellungen ihrer nationalen Herkünfte, Wurzeln oder Traditionslinien lösen müsste. Nicht Massenkultur als kleinste gemeinsame Einheitslösung ist das Ziel, sondern gestalterische Effekte des Zusammentreffens diversifizierter künstlerischer Sozialisationen in einem gemeinsamen Gedächtnisraum.

In der Historiographie sieht man das derzeit ähnlich. Die Epoche der Nationalstaaten in Europa geht ihrem Ende zu. Die Konturen der neuen Gesellschaften, ihre Verfassungen und ihre kulturelle Disposition, sind noch nicht vollständig erkennbar. Die Folgen der Migration werden einen starken Einfluss auf die Gestalt zukünftiger europäischer Gesellschaften haben. Nicht Nationen, sondern Kulturen mit gemeinsamen Überzeugungen, gemeinsamer Sprache und kulturellen Äußerungen werden entstehen, die sich alle unter einem gemeinsamen demokratischen Dach zusammenfinden müssen. Die multiethnischen und multireligiösen europäischen Städte bilden diesen Prozess wie in einem Brennglas ab. Es kann nicht mehr darum gehen, die Partizipation großer Teile der Stadtbevölkerung mit Migrationshintergrund an Ent-scheidungen davon abhängig zu machen, inwieweit diese bereit sind, sich vollständig zu akkulturieren. Fremde Kulturen in der Stadt dürfen auch nicht die Rolle exotischer Spielleute übernehmen, die mit bunten Gewändern und Festivitäten den Alltag bereichern. Sie sind vielmehr eine politische, gesellschaftliche und kulturelle Kraft, auf deren Schultern die Zukunft und das friedliche Zusammenleben mit aufruhen wird.

„Milieu geht vor Ethnie – Über unsere Schwierigkeiten, die Wirklichkeit unserer heterogenen Stadtgesellschaft zu erfassen"

Matthias GarteMatthias Garte, Stadt Augsburg, Koordinator der Fachstelle für Integration und interkulturelle Arbeit im Referat Oberbürgermeister

Die in Augsburg im Gefolge des Migrationsgeschehens der letzten Jahrzehnte entstandene Wirklichkeit ist hochkomplex. Bis zu 40 Prozent der Augsburger haben einen sog. „Migrationshintergrund“ und ihre Herkunft, ihre Lebenslagen, ihre Milieuaffinitäten, ihre Sprach- und Bildungserfolge sind so heterogen wie die der anderen Augsburger auch. Allerdings bestimmen ethnisierende und pauschale Zuweisungen an „die Migranten“ immer noch den öffentlichen Diskurs. Problemlagen sind auch Teil unserer großstädtischen Realität, diese müssen aber genau definiert, also eingegrenzt und in den richtigen Kontext gestellt werden. Wichtiger als die Herkunft ist die soziale Lage (mit dem Risikofaktor Armut) und die Frage nach einem bildungsnahen oder bildungsfernen Familienhintergrund. Diese zwei Faktoren werden natürlich verstärkt, wenn ein Zuwanderungshintergrund gepaart mit Sprachproblemen hinzukommt.

Die Migration in Augsburg hat ihren spezifischen Ursprung in unserer Industrie-geschichte als „arbeitende Stadt“. Große Hochschulstandorte mit Zentralen international agierender Konzerne haben auch eine andere Zusammensetzung ihrer Migranten-bevölkerung. Ausgrenzung durch ethnische Zuweisungen und andere Zumutungen verhindert den Blick auf die Vielfalt von Normalität und gelungener Integration, welche unseren Alltag heute auch schon bestimmt. Die „Milieustudien der Migranten“ des Sinusinstituts sind jedenfalls eine erstmalige Chance, die Wirklichkeiten der Zuwan-derung ohne ethnisierende Klischees zu erfassen. Auf die speziellen Ergebnisse aus NRW im Kontext kultureller Bedarfe dürfen wir gespannt sein.
Die „Neue Stadtbücherei“, Projekte wie „Rap for Peace“, aber auch die Mehrgenera-tionentreffpunkte und vieles andere mehr sind heute schon hoffnungsvolle Beispiele für ein gelingendes Zusammenleben in der heterogenen Stadt Augsburg. Die spezifische Struktur Augsburgs rechtfertigt sicherlich auch besondere Anstrengungen in der kulturellen Jugendbildung. Integration funktioniert nicht als Dienstleistung, sondern nur mit dem Engagement der gesamten Stadtgesellschaft. Aufgabe der Institutionen ist es, dafür die Strukturen und passenden Gelegenheiten zu schaffen.

Matthias Garte, Jahrgang 1948, Dipl. Politologe, Abitur in Mailand 1968, bis 1976 Studium der Politischen Wissenschaft, Neueren Geschichte und Jura in Zürich, München und Berlin. Beruflicher Einstieg in der hauptamtlichen Jugendarbeit, von 1983 bis 2003 Geschäftsführer des Stadtjugendrings Augsburg, bis 2007 AIP-Sozialraumplanung für die Stadt Augsburg mit den Schwerpunkten Migration und Jugendhilfeplanung. Seit 2008 Koordinator der Fachstelle Integration und Interkulturelle Arbeit im Referat Oberbürgermeister der Stadt Augsburg.

Beiträge zum Tagungsthema

Mark Tekessidis im Goethe-Institut Dossier:
„Kulturen in Bewegung“ zum Thema Migration, Integration, Migrationsforschung

Mark Terkessidis„Intercultural Mainstreaming“ – ein Plädoyer für die interkulturelle Öffnung der Gesellschaft

In vielen deutschen Städten gibt es jedes Jahr eine „interkulturelle Woche“. Jeden Abend findet da eine andere Veranstaltung statt, in der Personen mit Migrations-hintergrund etwas lesen oder vortragen, Theater spielen oder tanzen. Wenn man dieses Konzept ernst nimmt, dann heißt das im Rückschluss: 51 Wochen des Jahres sind in Deutschland nicht interkulturell. Nach 100 Jahren Einwanderung ist es offensichtlich, dass diese Feststellung nicht zutrifft. Dennoch gibt es ein verbreitetes Vorurteil und das besagt: Es existiert eine „deutsche Kultur“ und daneben existieren die Kulturen der Migranten – und Letztere bilden den Bereich der Interkultur. Zudem wird oft angenommen, dass die „deutsche Kultur“ etwas ist, dass sich quasi naturwüchsig entfaltet hat und weiter entfaltet und dass man in seiner künstlerischen Freiheit auf gar keinen Fall beschneiden darf. Für die „Migrantenkulturen“ freilich gilt das genaue Gegenteil, denn hier pflegt man gerne einen instrumentellen Umgang mit Kultur: Kultur soll dazu dienen, den sozialen Frieden zu gewährleisten, das heißt sie soll die Folgen einer dramatischen Arbeitslosigkeit kitten und auch noch Fundamentalismus und Terroranschläge verhindern. Nun widersprechen solche Vorstellungen mittlerweile der Realität. Es gibt Schrift-steller, Regisseure, Musiker und Künstler nichtdeutscher Herkunft, die sich ganz selbstverständlich als Teil der deutschen Kultur betrachten. Jedoch passiert es immer wieder, dass diese Personen als „türkische“ oder „iranische“ Kulturschaffende betrachtet werden. Ferner handelt es sich weiterhin um Einzelne, die sich gegen viele Widrigkeiten ihren Platz erkämpft haben. Die Institutionen der Hochkultur in Deutsch-land haben sich dagegen noch kaum damit befasst, dass die Zusammensetzung der Gesellschaft sich verändert hat. In den hoch subventionierten Theatern oder Museen trifft man selten auf Menschen mit Migrationshintergrund. Die Einbeziehung der Bevölkerung in ihrer ganzen Vielfalt ist allerdings die Zukunftsaufgabe dieser Institutionen – allein schon demographisch.

Entscheidende Weichenstellung
In den Schulen von Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsstärksten Bundesland, besitzen heute dreißig Prozent der Schüler Migrationshintergrund, Tendenz steigend. Interkultur ist daher keineswegs die Spielwiese der Einwanderer, sondern eine entscheidende Weichenstellung für die Zukunft. Interkultur sollte verstanden werden als die ausdrückliche Anerkennung von unterschiedlichen Herkünften und Zugängen als Ressource für die kulturelle Entwicklung in der Bundesrepublik. Dazu braucht es aber zunächst eine interkulturelle Öffnung. Dabei handelt es sich um einen manchmal schmerzhaften, aber auch höchst kreativen Prozess, in dem sich die Institutionen im Sinne eines Main-streaming befragen müssen, inwiefern sie die Vielfalt in der Gesellschaft, also die unterschiedlichen Hintergründe, Voraussetzungen und Herangehensweisen im normalen Betrieb berücksichtigen. Nach dem Vorbild des „Gender-Mainstreaming“ müssen sämtliche Abläufe daraufhin abgeklopft werden, ob sie Personen, egal welcher Herkunft, auch tatsächlich die gleichen Chancen auf Teilhabe einräumen.

Das Beispiel Theater
Nehmen wir das Beispiel Theater. Da wäre zunächst die Frage: Wie viele Personen mit Migrationshintergrund sind eigentlich im Ensemble? Da es erfahrungsgemäß nur wenige sind, müssten die Rekrutierungstechniken überprüft werden, damit eine Zusammen-setzung gewährleistet werden kann, die den gesellschaftlichen Verhältnissen entspricht. Die zweite Frage betrifft das Publikum. Festgestellt werden muss: Personen mit Migrationshintergrund nutzen das Angebot der Theater relativ wenig. Tatsächlich kennen viele die kulturelle Infrastruktur gar nicht. Das hat zunächst schlicht damit zu tun, dass Migranten aufgrund ihrer Schichtzugehörigkeit deutlich weniger zum Bildungs-bürgertum gehören. Aber ein Besuch im Stadttheater macht vielen auch Angst, weil sie den Eindruck haben, dass sie die Benimmcodes des durchaus manchmal dünkelhaften Publikums nicht beherrschen. Insofern müsste der Raum geöffnet werden, zugänglich werden – möglicherweise über ein Konzert mit einem bekannten Popmusiker. Erst wenn der Raum in der „cognitive map“ bestimmter Gruppen auftaucht, beginnen sie auch, die dort gemachten Angebote überhaupt wahrzunehmen. Schließlich gibt es eine weitere Frage bezüglich der inhaltlichen Ausrichtung: Wird die Vielfalt auch thematisch einbezogen? Um wessen Vorlieben, Perspektiven und Probleme geht es im Theater? Auch dort wird ein Blick in viele Spielpläne zeigen, dass hier große Teile der Bevölkerung mit ihren Anliegen kaum auftauchen. Als mein Vater vor 50 Jahren nach Deutschland kam und schließlich genügend Deutsch konnte, da ging er ins Theater. Das Theater in Athen war zu jener Zeit ein populäres Vergnügen: Man besuchte es nach der Arbeit und dort wurde gegessen, gelacht und geschrien. Man kann sich leicht ausmalen, wie mein Vater sich im Kreise des steifen Publikums in Deutschland gefühlt haben muss, wo damals noch jedes Hüsteln sanktioniert wurde. Er ist nie wieder ins Theater gegangen. Verändert hat sich einiges, aber noch nicht genug. 50 Jahre später sind die Kultur-institutionen dazu aufgerufen, die Kinder und Kindeskinder der abwesenden ersten Generation dazu einzuladen, in ihren Räumen lautstark zu sprechen, zu lachen und zu husten.
Copyright: Goethe-Institut e.V., Online-Redaktion Januar 2007

Dr. Regina Römhild im Goethe-Institut Dossier:
Kulturen in Bewegung zum Thema Migration, Integration, Kulturelle Globalisierung

Dr. Regina RömhildAlte Träume, neue Perspektiven
Migranten praktizieren – unter prekären Bedingungen – bereits ein postnationales Leben, indem sie – die keine nationale Zugehörigkeit zu einem der EU-Staaten für sich beanspruchen zu können – sich selbst zu klandestinen Bürgern Europas machen. Sie nehmen damit eine weltoffene europäische Identität vorweg, wie sie vom antifaschistischen und antirassistischen Widerstand in Europa als politische Vision entworfen wurde.

Der kosmopolitische Traum von einem offenen Europa
Postnationale Ideen standen am Anfang des europäischen Neubeginns nach dem Zweiten Weltkrieg. Es war die Erfahrung des europäischen Faschismus, seines Nationalismus und Rassismus, der das soziale Imaginäre eines anderen Europas beflügelte. Und es waren vor allem Kosmopoliten der jüdischen und anti-faschistischen Diaspora, die diesen „dritten Ort“ eines post-totalitären, postnationalen Europas als realpolitische Perspektive entwickelten und vertraten. Heute scheinen diese Ursprünge des modernen Europas vergessen. Der kosmopolitische Traum von einem offenen Europa, das seine historischen Grenzen des Nationalismus, Rassismus und Kolonialismus überwindet, ist indes nicht tot. Nur ist er heute weniger denn je eine Perspektive der politischen Eliten. Als Idee und als Forderung hat dieses Europa aber nach wie vor seinen Platz in der Diaspora: bei den Kritikern und Dissidenten der neuen Euro-Staatlichkeit und bei den Migranten, die das neo-koloniale Grenzregime der EU aus ihrer Praxis heraus bekämpfen. Allerdings zeichnet sich hier eine neue, entzauberte Figur des Kosmopolitismus ab, die weniger von einer Ethik denn von einem Pragmatismus der Grenzüberschreitung geprägt ist.

Migrantische Grenzforschung
„Wenn du nach Ungarn willst, dann passiere die grüne Grenze nach Österreich und lass dich festnehmen; wenn die Grenzpolizei fragt, durch welche Länder du nach Österreich kamst, sag ‚über Ungarn‘ – und du wirst postwendend dorthin gebracht.“ Das Wissen um die Regelung des ‚sicheren Drittstaates‘, der ‚one chance rule‘ und die Erkenntnis, dass Ungarn womöglich bessere Chancen für einen Asylantrag bietet, sind Teil der individuellen Grenzforschung von Migranten, die sich von Serbien aus ihren Weg über die Grenze der Europäischen Union bahnen. Ihre Reiserouten zeugen von den spezifischen Kompetenzen, die Migranten an diesen Grenzen erwerben – und von der Ironie, sie mit ihren eigenen Mitteln zu unterlaufen und sich auf diese Weise selbst an der praktischen Ausgestaltung von Grenzregimen zu beteiligen. Diese kenntnisreiche, kollaborative Praxis der Migration ist Bedingung und Herausforderung zugleich für das „Grenzland Europa“, wie es sich gegenwärtig von Süden und Osten – von der „Peripherie“ her – formiert. Im Prozess dieser Formierung erweist sich Migration als ein Motor der Transnationalisierung: Mit ihren grenzüberschreitenden Bewegungen und Verbindungen führt sie dem Nationalstaat die Grenzen seiner Kontrollmacht vor und fordert so die Erfindung neuer, ihrerseits transnational operierender Regierungspraktiken heraus.

Kosmopolitismus von unten
Mit dem Versuch, das alte Konzept des Kosmopolitismus für einen aktualisierten Gebrauch zu reformieren, tritt die Debatte zur Transnationalisierung und Globalisierung in eine neue Phase ein, in der es auch um normative analytische Kategorien zur Beurteilung der beobachteten Prozesse geht – und um eine wissenschaftliche Einschätzung zukünftiger politischer und kultureller Entwicklungen. Jenseits der elitär konstruierten, universalistischen Figur des Kosmopolitismus westlich-bürgerlicher Herkunft geht es in dieser Diskussion verstärkt darum, ein im globalen Hier und Jetzt bereits praktiziertes kosmopolitisches Potential aufzuspüren. Wer sind die Akteure einer solchen, die Grenzen der Welt in Frage stellenden Praxis? Und welche Prozesse, welche Handlungsräume befördern sie? Welche erweiterten sozialen Definitionsmerkmale politischer und kultureller Gemeinschaften lassen sich dabei entdecken, entwickeln? Solche Fragen wären ein geeigneter Diskussionsstoff für die politische und kulturelle Baustelle Europa. Denn es ist noch längst nicht endgültig ausgemacht, welcher politische Raum hier entsteht und wer seine Bürger sein werden. Bislang haben allerdings nur Ulrich Beck und Edgar Grande einen konkreten Versuch unternommen, die Kosmopolitismus-Debatte mit den anstehenden Fragen der Europäisierung programmatisch zu verknüpfen. Die globalen Bewegungen der Migration werden hier als Kräfte der Globa-lisierung verstanden, die ein kosmopolitisches Denken und Handeln nicht nur sinnvoll machen, sondern geradezu erzwingen, womit sie den Weg zu einem „kosmopolitischen Europa“ und schließlich einer kosmopolitischen „Weltgesellschaft“ vorbereiten.

Ein neues soziales Selbstverständnis
Die alltägliche Präsenz von Migranten liefert dabei gewissermaßen das Anregungspotenzial für ein neues soziales Selbstverständnis, das den überholten Glauben an die nationale Geschlossenheit von Kulturen und Gesellschaften überwindet und neue Formen politischer Gemeinschaft und Solidarität entwickelt. Allerdings gehen Beck und Grande explizit nicht von einer Aufhebung nationaler und kultureller Grenzen in Europa, sondern im Gegenteil von der Anerkennung solcher Differenzen im Sinne von „Vielfalt“ aus. Daher brauche es einen „gemeinsamen Mindestbestand an substanziellen und prozeduralen Normen“, um so „den Erhalt gesellschaftlicher Integration“ bei gleichzeitigem „wirkungsvollen Schutz von Andersheit“ zu garantieren. Das erinnert unmittelbar an geläufige Konzepte des Multikulturalismus, die Beck allerdings an anderer Stelle als „eine Vervielfältigung des Nationalismus nach innen“ vehement kritisiert.

Elitärer Kosmopolitismus
Mit Blick auf Europa korrespondiert diese Auffassung mit der inzwischen zur offiziellen Maxime der EU-Verfassung erhobenen „Einheit in Vielfalt“, mit der die Wahrung nationaler „Andersheit“ zum Prinzip der transnationalen Kooperation erhoben wird. Die Grenzen Europas werden nicht in Frage gestellt, sondern erlangen als Markierungen kultureller Identitäten neue Wirkmächtigkeit: nationale Unterscheidungen im Inneren garantieren die Vielfalt, die Abgrenzung nach außen die Einheit Europas. Statt der historischen Chance, einen „dritten Ort“ zu entwerfen, erlebt die koloniale Figur des weißen, christlichen Europas, das sein „anderes Selbst“ erneut ausgrenzt, eine politische Renaissance.
Das Prinzip der „Anerkennung von Differenz“ gehört zur Grundausstattung des Kosmopoliten traditioneller Prägung, der mit dieser spezifischen Fähigkeit und dem Wissen, das sie voraussetzt, seine „Weltoffenheit“ und „Weltläufigkeit“ demonstriert. Als eine prinzipielle, freiwillige Geisteshaltung der Offenheit gegenüber Fremdheit bleibt dieser Kosmopolitismus dem Typus des westlichen Bildungsbürgers, des Intellektuellen oder Künstlers verpflichtet, der über die entsprechenden Ressourcen verfügt, die Welt aus innerem Antrieb, ohne äußeren Zwang erfahren zu wollen und zu können. Kosmopolitismus wird hier zum kulturellen Kapital.

Ein neuer Begriff des Kosmopolitischen
Mitte der 90er Jahre begannen Sozial- und Kulturwissenschaftler, diesen elitären Kosmopolitismus einer kritischen Revision zu unterziehen: Die scheinbare Universalität des Konzepts wurde in einen Plural der Kosmopolitismen aufgelöst, die von den verschiedenen Erfahrungen mit den globalen Machtverhältnissen und den daraus resultierenden ebenso unterschiedlichen Visionen von Welt und Weltbürgertum zeugen. Dabei spielt Migration eine zentrale Rolle, denn sie bringt Bewegung in die Beziehungen der Menschen zu Räumen, Gesellschaften und Kulturen. Migration wird zur – jedenfalls denkbaren – Option gerade für die Unterprivilegierten, die Randständigen der globalen Hegemonie, sich einen besseren Platz auf der Welt zu suchen. Migranten sind Protagonisten der Enträumlichung von Kulturen und sozialen Beziehungen, der Lösung des Einzelnen aus dem Lokalen. Diese Vorstellung von Migration setzt den Maßstab für einen neuen Begriff des Kosmopolitischen: Statt der scheinbar ungebundenen Freizügigkeit des Weltreisenden auf der Suche nach dem aufregend Fremden meint der Begriff nun den Zwang, aber auch die Fähigkeit zur mehrfachen Bindung an unterschiedliche geographische, kulturelle und soziale Orte.

Migrantischer Alltagskosmopolit
Der neue Typus eines migrantischen Alltagskosmopoliten entwickelt seine Kompetenzen, mit Fremdheit umzugehen, durch die Grenzerfahrungen der Kulturalisierung und Ethnisierung. In den Einwanderungsgesellschaften werden Migranten geradezu zwangsläufig Experten für das kulturelle Unterscheidungssystem, das sie zu ethnisch Fremden macht, vor allem auch für seine banalen Erscheinungs-weisen im Alltag. Auf der Grundlage dieser Erfahrungen entsteht ein Reservoir an „Etiketten“ für die eigene Gebrauchskultur: zum Beispiel für eine zeitweilige strategische Selbst-Ethnisierung oder für die vielen Formen von „Ethno-Mimikry“, die sich dem Multikulturalismus andienen, um ihn zu überlisten. Auf dem Markt der Kulturen in den Einwanderungsgesellschaften formiert sich ein Tanz der Identitäten, der den Spielregeln dieses Marktes folgt und sie gleichzeitig gegen ihn wendet. In seiner Kurzgeschichte „Geschäftstarnungen“ (in: Russendisko, München: Goldmann, 2000) schildert Wladimir Kaminer ein alltagserprobtes Beispiel. Hier lässt er die bulgarischen Betreiber eines Imbissstandes erklären, warum sie sich als Türken ausgeben: „Berlin ist zu vielfältig. Man muss die Lage nicht unnötig verkomplizieren. Der Konsument ist daran gewöhnt, dass er in einem türkischen Imbiss von Türken bedient wird, auch wenn sie in Wirklichkeit Bulgaren sind.“

Diesem Kosmopolitismus haftet weder die Lust, noch die Last der Differenz an. Kultur und Identität sind hier keine autonomen Horizonte, die es im Sinne einer weltbürgerlichen Fortbildung zu erweitern gilt. Sie sind vielmehr untrennbar verbunden mit einer langen Geschichte hegemonialer Kultur- und Identitätspolitik, die zwangsläufig auch ein Teil der jeweils eigenen, subjektiven Geschichte ist. Und so entwirft dieser Kosmopo-litismus auch keine Utopien gleichsam paradiesischer, postnationaler Zustände, sondern allenfalls prekäre Heterotopien, die den Traum vom besseren Leben jenseits der Grenzen ganz praktisch und politisch, im Rahmen des Machbaren, anvisieren.

Dr. Regina Römhild ist Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Eine längere Version dieses Artikels ist unter dem Titel „Migration als Avantgarde“ erschienen in: „Blätter für Internationale Politik“, Ausgabe 05/07, S. 618-624.
Die Langversion dieses Beitrags ist erschienen in: TRANSIT MIGRATION Forschungsgruppe (Hg.): Turbulente Ränder. Neue Perspektiven auf Migration an den Grenzen Europas, Bielefeld: transcript, 2007, S. 217-233
Copyright: Goethe-Institut e. V. April 2008

Andreas Freudenberg
Plädoyer für die Stadt der Diversität aus politik und kultur, interkultur, c/o Deutscher Kulturrat e.V. 50 Jahre Einwanderungsgesellschaft beginnen in Deutschland zu wirken

Andreas FreudenbergEin Viertel der Bevölkerung Berlins sind Menschen mit Migrationsgeschichte. Hinzu kommen die in dieser Statistik nicht erfassten Deutschen plurikultureller Prägung. Im Jahr 2006 hatten gerade noch 40% der Neugeborenen zwei „deutsche“ Elternteile. Gut 200 ethnisch, kulturell, religiös oder kolonialgeschichtlich identifizierbare Bevölkerungsgruppen bilden die Zivilgesellschaft, die die Geschicke dieser Stadt bestimmt. In dieser demografischen Entwicklung rangiert Berlin im bundesdeutschen wie auch europäischen Städtevergleich allenfalls im Mittelfeld. 50 Jahre Einwanderungsgesellschaft beginnen auch in Deutschland zu wirken.

Dieser Wirklichkeit hinkt das kulturelle Selbstverständnis und die fachliche Kompetenz in den etablierten Kultureinrichtungen hinterher. Programmprägend sind hier ideengeschichtliche Vorstellungen, zivilisatorische Mythen einer aus sich selbst schöpfenden, sich selbst genügenden nationalen bzw. europäischen oder westlichen Kultur und reziprok daran geknüpft Bilder von Migranten einschließlich derer Nachkommen als kulturell Fremden, zumindest was die Zuwanderung aus außereuropäischen, nichtwestlichen Ländern betrifft. Nach wie vor werden über Kunst Abgrenzungen zwischen „Eigenem“ und „Fremden“ definiert und programmatisch inszeniert. Diese Vorstellungen und Leitbilder sind mit der Lebenswirklichkeit, mit den Interessen und den Potentialen der Menschen in der Stadt immer weniger zusammenzubringen. Ebenso wenig passen sie kulturell wie ökonomisch und politisch zu den internationalen Entwicklungen. In dem Moment, in dem Kulturpolitik im Verbund mit Verwaltung und Produzenten von Kunst und Kultur in Berlin dieses Desiderat, diese geistige Blockade „alter Schule“ anerkennt und Künstlern wie auch dem Publikum die Zugänge zu den verfügbaren Foren und Ressourcen für ein kulturell entgrenztes künstlerisches Schaffen öffnet, kann die im Alltag erlebte und gelebte Diversität, kann die Vielfalt kultureller und künstlerischer Ausdrucksformen in dieser Stadt vitaler als je zuvor Quelle kultureller Inspiration für die wachsende Metropole wie auch die gesamte Republik werden.
In diesem Sinn ist der demografische Befund allein für die Praxis von Kunst und Kultur noch kein ausreichendes, vor allem kein richtungsweisendes Argument. Bevor gedacht werden kann, was wie zu tun ist, sollte genauer reflektiert werden, was die Motive sind, um welche Interessen und Anliegen es im Sinne eines wünschenswerten kulturellen Wandels geht.

1. Argument: Integration kulturell produktiv gestalten
Jegliche Kultur, gleich ob ethnisch, regional, national, sprachlich oder religiös umgrenzt, wirkt in der Retrospektive bzw. in der Überlieferung reiner, homogener, als sie es ihrer Entwicklung nach ist. Das kulturelle Geschehen in einer Gesellschaft ist ein fortlaufender interaktiver Prozess, bei dem es nicht zuletzt um das Ausloten, Ausbalancieren, Nivellieren, Integrieren oder auch Ausgrenzen von Differenz geht. In der Rückschau ist das integriert, was einmal divers, kontrovers, nicht integriert war.
In der Einwanderungsgesellschaft ist Diversität in der Pluralität und Heterogenität von Lebensentwürfen alltagskulturell gelebte Wirklichkeit und die realen wie auch imaginären Widersprüche und Unverträglichkeiten im Zusammenleben der Menschen spiegeln den erreichten Stand nationaler wie globaler zivilisatorischer Entwicklung. Die aktuelle Bearbeitung von Diversität heute, sprich von differenten Erfahrungen, Haltungen und Interessen im Bereich Religion, Kultur, Sexualität, Körperlichkeit, materiellem Stand, sozialer Schicht oder Alter ist kulturelles Kapital von Morgen, ist neue Konvention für Zukunftskultur. Die strittigen Diskussionen und gelungenen Arrangements in den gesellschaftlichen Kontexten am Ort, an dem man lebt, bilden über die Jahre und Jahrzehnte das notwendige kulturelle Wissen für das Zusammenleben der Menschen morgen. So verstanden, ist Integration ein fortlaufender Prozess und Gestaltungsauftrag. Kulturelle und künstlerische Aktivitäten spielen in diesen Prozessen eine große Rolle. Die Foren der Kunst bieten idealer Weise den offenen Raum und die Kunst selbst die kritischen Anstöße für solche Diskurse. Ein offener, diskriminierungsfreier Zugang zur Öffentlichkeit, die realen Partizipationschancen der Bürger, der Menschen, der Communities und sozialen Gruppen in den europäischen Gesellschaften am kulturellen Leben heute sind entscheidend für die intellektuelle, normative und ästhetische Substanz der europäisch/ westlichen Kultur von morgen, beeinflussen unmittelbar den unteilbaren zivilisatorischen Fortschritt in der globalisierten Welt. Je intensiver und offener heute Debatten über differente religiöse, kulturelle und soziale Erfahrungen angeregt und geführt werden, desto größer ist die Chance, dass sich Menschen an und in diesen Differenzen eigenständig und souverän abarbeiten und zukunftsweisende Ideen entwickeln. Metropolen, Hauptstädte als Zentren nationaler wie internationaler Politik und medialer Öffentlichkeit spielen in diesem komplexen Prozess eine bedeutende Rolle. Als historischer Ort mit einer spezifischen Geschichte sieht sich Berlin und sehen sich die Kulturschaffenden der Stadt in diesem Kontext mit hohen Erwartungen konfrontiert.

2. Argument: Desintegration im Kultursektor vermeiden
Kunst und Kultur haben das Potential, gesellschaftliche Integrationsprozesse zu gestalten und zu beeinflussen. Im Umkehrschluss gilt in gleicher Weise: Kulturschaffende bewirken gesellschaftliche Desintegration, wenn sie durch Unwissenheit oder mit Absicht Vorurteile bzw. stereotype Images reproduzieren. Kulturschaffende betreiben Desintegration und Marginalisierung von Interessen, Themen und Gruppen, wenn sie im Gestus eigener Überlegenheit strittige Fragen nur aus einer Perspektive thematisieren. Sie blockieren die notwendigen Prozesse diskursiver Verständigung, wenn sie Partizipationschancen verweigern, wenn sie den Kulturbetrieb nicht öffnen für differente historische wie kulturelle Erfahrungen, aber auch für neue Inhalte und transkulturelle Positionen, die sich jeglicher Kulturalisierung bzw. Ethnisierung entziehen. Diese desintegrative kulturelle Praxis attackieren zu Recht insbesondere Menschen, die biografisch soziale wie kulturelle Abgrenzung und Diskriminierung in Deutschland erlebt haben und erleben. Diese längst schon intellektuell verarbeitete Erfahrung, diese spezifische Kompetenz einer bewußten Sensibilität gegen Diskriminierung in die Institutionen kultureller Praxis hinein zu holen, ist im Sinne des wünschenswerten zivilisatorischen Fortschritts, wie hier Integration verstanden wird, von zentraler Bedeutung.

3. Argument: Eurozentrische Leitbilder überwinden
Das Kulturerbe Europas wird längst schon international rezipiert und in autonomer Aneignung transformiert, ist gelebtes Menschheitskulturerbe. In den Berliner Museen lagert das Kulturerbe der gesamten Menschheit. Die Künstlerszene in Berlin ist international. Trotzdem bleibt der materielle Fundus eines unteilbaren Weltkultur-Erbes, bleiben die Humanressourcen kultureller Diversität, das biografische Archiv einer von über 200 Ethnien, Religionen und kulturellen Minderheiten geprägten Bevölkerung in dieser Stadt kaum erschlossen und mit geringer Chance der Entwicklung. Wirksam sind hier die gleichen integrationspolitischen Blockaden wie in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen. Eine nach innen gerichtete Selbstreflexion des kulturellen Sektors, eine Konfrontation mit diskriminierenden Attitüden, der Erwerb interkultureller Kompetenz, die vielen, insbesondere gebildeten Immigranten als postkoloniales Erbe selbstverständlich ist, hat in der Konsequenz und Tiefe bislang nicht stattgefunden. Es ist an der Zeit, diese notwendigen Prozesse auch im kulturellen Sektor anzuregen und zu organisieren.

4. Argument: Die Qualität metropoler Kultur entwickeln
Das Potential für Pluralität und Heterogenität, damit zugleich die Möglichkeit für eine Differenzierung des kulturellen Angebots wächst proportional mit der Größe und internationalen Ausstrahlung einer Stadt. Denn von je her erreichen urbane Zentren, insbesondere die Metropolen, ihre Größe durch Zuwanderung, beziehen ihre spannungsvolle Intensität aus der Vielfalt der Impulse, die von außen kommend sich im Innern artikulieren. Kulturelle Diversität in der möglichen Komplexität und Vielschichtigkeit im lokalen Mikrokosmos von Weltkultur zu (er-)leben, ist das Privileg des „Metropolitan“, des Bewohners einer „Weltstadt“. Reich wird das Angebot weniger durch Import des Exotischen (das war und ist auch in der Provinz bezahl- und organisierbar). Die Internationalität, Multiethnizität und religiöse Vielfalt, die auch unter gender- und sozialen Aspekten spannungsvolle Diversität einer metropolen Bevölkerung bilden als Konsumenten wie als Anbieter die Basis für den großen, reichen Bazar der Ideen, sind das Kreativpotential für kulturelle Dynamik der Metropole. Die lokale Vielfalt der Anbieter, die Heterogenität der Aktivisten und Aktivitäten im Verbund und im Wettbewerb miteinander erwirtschaftet den (kulturellen) Reichtum einer Metropole. Kulturpolitik und Kulturverwaltung tragen Verantwortung, dafür den bestmöglichen Rahmen zu bieten. Berlin ist Hauptstadt und größte Stadt der Bundesrepublik Deutschland. Berlin verfügt über die notwendige Infrastruktur des Wissens aus dem Weltkulturerbe und die hier produktiven Künstler formulieren hohe Erwartungen an die intellektuelle Offenheit und metropole Qualität der Stadt. Berlin hat das Potential, um an erster Stelle Diversität als Zukunftskultur mehrperspektivisch zu inszenieren und integrativ, d.h. mit dialogischer Kompetenz zu entwickeln. Daran in vielfältigen Formaten mitzuwirken, ist Auftrag an die gesamte kulturelle Infrastruktur. Zu Recht knüpft sich national wie international an Berlin die Erwartung, in diesem Sinn „Diversity“ abzubilden, auf dem „Bazar der Ideen“ ein reicheres Angebot zu bieten als sonst in der Republik geboten wird.

5. Argument: Im Interesse der Kunst neue Publika ansprechen
Postmigrantische Kunst sucht das ihr gemäße Publikum, braucht die Resonanz geteilter Erfahrung und wächst an kritischer wie akklamativer Resonanz einer breiten Öffentlichkeit. Qualität ist verfügbar und ist Ergebnis kontinuierlicher Kunstförderung und kultureller Praxis. Das Publikumsinteresse ist da. Wie programmatische Versuche einiger Theater in der Stadt schon in den 1980ern wie auch heute zeigen, reagiert ein kulturell heterogenes Publikum auf entsprechende Angebote. Praktische Erfahrungen diverser Einrichtungen in der Stadt decken sich mit Ergebnissen aus repräsentativen Studien (u.a. Jugendkulturbarometer, Sociovision: „die Milieus der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland 2007“), die belegen, dass insbesondere die jüngere postmigrantische Generation ausgeprägte Interessen an das kulturelle Angebot vor Ort formuliert und sich in dem darin artikulierten Bedürfnis kaum unterscheidet von monokulturell sozialisierten Befragten der gleichen Generation aus vergleicherbarem sozialem bzw. Bildungsmilieu. Interessanter Weise gibt es eine breite Überschneidung der Interessen nicht zuletzt in Bezug auf den Wunsch nach mehr Angeboten, die kulturelle Diversität verhandeln und erlebbar machen. Die Vorstellung, das Interesse an Kunst und Kultur müsse in den migrantischen Bevölkerungsgruppen erst über verstärkte kulturelle Bildung aufgebaut und geformt werden, um zukünftig diese neuen Publika für die Einrichtungen ansprechen und gewinnen zu können, ist diesen Studien zufolge erneut eine auf soziale Probleme der Einwanderungsgesellschaft reduzierte Sicht. Der Bedarf nach mehr kultureller Bildung ist keine aus dem Faktum verstärkter Einwanderung begründbare Notwendigkeit, besteht vielmehr grundsätzlich und unabhängig von der kulturellen Heterogenität der Bevölkerung. Integrations- wie kulturpolitisch entscheidend ist allerdings, ob das kulturelle Angebot einschließlich das der kulturellen Bildung die transkulturellen Erfahrungen eines wachsenden Anteils der Bevölkerung abbilden und ob es gelingt, die noch bestehende Distanz zwischen Anbietern und Rezipienten von Kunst durch überzeugende Angebote, Formate und neue Kommunikationswege zu überwinden.
Copyright: Deutscher Kulturrat e.V.,
aus politik und kultur, interkultur, Mai-Juni 2009