Jugendkulturen, Urban Cultures, Kulturen in Bewegung
Jugendszenen (Hip Hop) zwischen Ausgrenzung und Partizipation
oder:
Wie verändern (migrantische) Jugendkulturen, Transnationalisierung und kulturelle Globalisierung unsere Gesellschaft?
Wie reagieren die Kulturinstitutionen, die Schule und die Jugendhilfe?
Tagung November 2008
Nach den Tagungen der Interkulturellen Akademie im November 05, 06 und 07 setzt sich die Veranstaltungsreihe in ihrer 4. Ausgabe mit der Bedeutung von migrantischen und globalisierten Jugendkulturen für die urbane, soziale und kulturelle Entwicklung der vielkulturellen Stadt auseinander.
Dabei soll deutlich werden, dass es sowohl in der HipHop-Kultur wie auch in anderen Jugendszenen vielfältige Lernformen, Lernmöglichkeiten und Lernsituationen gibt, die außerhalb von schulischen Bildungsprozessen praktiziert werden und den in den Schulen und Bildungs- und Kultureinrichtungen üblichen Lern- und künstlerischen Ausdrucksformen in nichts nachstehen, manchmal vielleicht sogar effektiver sind als diese.
Um solche Lernorte und Lernpraktiken zu begreifen und für die Alltagsarbeit im Kultur-, Bildungs- und Sozialbereich fruchtbar zu machen, bedarf es zunächst der Beschreibung und des Begreifens des Kulturmodells „HipHop“ und der damit implizierten Kulturtechniken.

Denn die HipHop-Kultur stellt derzeit zweifellos die weltweit einflussreichste Jugendkultur dar. Sie ist ein treffendes Beispiel einer Jugendkultur, die in räumlich und sozial lokalisier- oder bestimmbaren Kontexten entstand, im Verlaufe ihrer Ausformung dann ihre engen Grenzen hinter sich ließ und an anderen Orten und in anderen Ländern in neuen Kontexten weiterentwickelt wurde und wird. Diese globale jugendkulturelle Szene ist deshalb auch so ein attraktives Forschungsfeld, weil an ihr die Dynamik gegenwärtiger kultureller Entwicklung in ihren transkulturellen Aspekten deutlich gemacht und lokale Prozesse von Entgrenzung und Aneignung, Inklusion und gleichzeitiger Autonomie untersucht werden können:
Jugendkulturen als „cultural work in progress“, als kulturelle Praxen von Hybridisierung und Kreolisierung bestehender Ausdrucksmittel, als neue, transnationale kulturelle Konzepte von Bricolage und „globalisation from below“ mit ausgeprägten lokalen Strategien, eben
urban cultures als Kulturen in Bewegung
Vor diesem Hintergrund möchte die Fachtagung praktische Forschungsberichte und themenorientierte Lösungsansätze der nationalen Hip Hop Szenenakteure im Kontext der Augsburger jugendkulturellen Wirklichkeiten, wie RAP FOR PEACE, Kulturpark West und Modular diskutieren. Die Tagung ist stark praxisorientiert und richtet sich nicht nur an ein wissenschaftliches Fachpublikum und Studierende, sondern ausdrücklich an alle in der praktischen (inter)kulturellen, sozialen und schulischen Arbeit Tätigen oder an ihr Interessierten.
Tagungsprogramm
9.30 – 10.30 Uhr, Vortrag mit Diskussion
Hip Hop ist im Haus: städtische Kulturpolitik, Jugendzentren und die Formierung globaler Sounds in urbanen Kontexten
Dr. Christoph Mager, Universität Heidelberg
10.30 – 11.30 Uhr, Vortrag mit Diskussion
Hip Hop Kultur ist grösser als NIKE oder Adidas!
Die politischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Potentiale der urbanen Jugendkulturen am Beispiel Hip Hop
Akim Walta, Hip Hop Stützpunkt, Campus der Jugendkulturen, Berlin
11.30 – 12.30 Uhr, Vortrag mit Diskussion
Urbane Jugendkulturen als Akteure im Kunst- und Kulturbetrieb
Zekai Fenerci, Pottporus e.V., European Centre of Hip Hop Culture, Renegade Theatre
Panel I
Hip Hop zwischen Identität, Provokation, Integration und Kommerz
13.30 – 14.15 Uhr, Vortrag und Diskussion
Hip Hop und Identitätskonstruktion
Was hat HipHop als popkulturelle Subkultur mit Identitätskonstruktion zu tun?
Jan Kage, freier Journalist und Musiker
14.15 – 15.00 Uhr, Vortrag und Diskussion
Hip Hop, Sexismus und Gender Mainstreaming
Nika Kramer, Autorin, Regisseurin, Produzentin, Hip Hop Aktivistin
15.00 –15.45 Uhr, Vortrag und Diskussion
Hip Hop - globalisierte (Jugend-)Kultur und bestseller der Unterhaltungsindustrie
Versuche einer politischen Verortung zwischen Aneignung und Ausverkauf
Yann Eric Döhner, Politikwissenschaftler, Berliner Sozialforum
15.45 – 16.30 Uhr, Vortrag und Diskussion
Wo stehen wir? Augsburgs deukische Generation(en) zwischen Anerkennung und Ausgrenzung
Matthias Garte, Koordinator der Fachstelle für Integration und Interkulturelle Arbeit im Referat Oberbürgermeister
Panel II
Hip Hop zwischen Globalisierung und lokalen Strategien: gesellschaftliche Gegenentwürfe, kulturelle Bildung und soziale Inklusion
13.30 – 14.15 Uhr, Vortrag und Diskussion
Der Aufstand der Zeichen – Graffiti als Anti-Diskurs und als Material symbolischen Tauschs.
Dr. Jörg Hagedorn, Universität Augsburg
14.15 – 15.00 Uhr, Vortrag und Diskussion
Hip Hop und Identitäten - Hip Hop und Kommunikation
Marcus Staiger, Verleger, Label Royalbunker, Journalist
15.00 –15.45 Uhr, Vortrag und Diskussion
Jugendkulturen, kulturelle Heterogenität und kulturelle Bildung – das Beispiel „Roots&Routes“ ein interkulturelles Projekt urbaner Jugendkulturen
Andreas Kern, Roots&Routes, Köln
15.45 – 16.30 Uhr, Vortrag und Diskussion
Hip Hop, soziale Integration und (jugend)kulturelle Bildung – Urban Cultures und Schule
Torsten Wiegel, Soziokulturelles Zentrum Steinhaus e. V., Bautzen