Jugendkulturen, Urban Cultures, Kulturen in Bewegung
„Migration, Integration und Bildung:
Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg“
Prof. Dr. Klaus J. Bade
Vortrag an der Uni Augsburg
November 2008
Immer weiter geht die Schere auf zwischen der Mehrheitsgesellschaft und den Zuwanderern, so urteilt Klaus J. Bade über die jetzige Bildungs- und Ausbildungssituation von Migrantenkindern und –jugendlichen. Daten zur Bildungsbeteiligung, zu Schulabschlüssen und zur Ausbildungsbeteiligung sprechen eine deutliche Sprache. Das Bildungsdefizit von vielen Zuwanderern der ersten Generation wird an die nachkommenden Generationen weitergegeben und es wurden in der Vergangenheit keine Anstrengungen unternommen, um dies zu verhindern. Es gibt in Deutschland eine Mittelschicht, die zugleich zur Migrantengruppe zählt, aber sie ist klein, im Vergleich zur deutschen Bevölkerung, und sie könnte größer sein hätte man rechtzeitig in Aufstiegschancen investiert. Die jetzige Integrationspolitik hat diese Versäumnisse nun in Angriff genommen, Erfolge sind zu erwarten – es geht voran; aber die Folgen der Versäumnisse der Vergangenheit bleiben eine Zusatzbelastung für die Gegenwart und die Gestaltung der gemeinsamen Zukunft.
Klaus J. Bade
Prof. Dr. phil. habil., geb. in Sierentz (Elsass) 1944, o. Univ. Prof. em. (Neueste Geschichte), Universität Osnabrück. Historiker, Migrationsforscher, Politikberater. Begründer des Osnabrücker „Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien“ (IMIS), des „Rates für Migration“ (RfM) und der „Gesellschaft für Historische Migrationsforschung“ Autor und Herausgeber von rund 40 Büchern und zahlreichen anderen Veröffentlichungen zur Kolonialgeschichte, zur Sozial-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte sowie zur Entwicklung von Bevölkerung und Wanderung in Geschichte und Gegenwart.
Heterogenität und Bildungserfolg:
Förderung interkultureller Kompetenz
Die Heterogenität von Schulen gründet in der zunehmenden Internationalisierung und dem binnengesellschaftlichen Pluralismus von Kulturen, Herkünften und Sprachen. Die Themen Interkulturalität und interkulturelle Verständigung haben in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung einen starken Aufschwung erfahren. Interkulturelle Pädagogik fragt nach den Konsequenzen für das Aufwachsen, die Sozialisation und die Prozesse der Erziehung und Bildung; sie gilt als Querschnittsaufgabe, die für alle pädagogischen Bereiche relevant ist. Interkulturelle Kompetenz wird gerade von Lehrerinnen und Lehrern gefordert. Allerdings scheinen deutsche Schulen von einem sog. ‚monokulturellen Habitus‘ geprägt zu sein. Das deutsche Schulsystem hat die Schwierigkeit, Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen sprachlichen und soziokulturellen Hintergründen angemessen zu fördern. An diesem Ausgangspunkt setzt die Lehrerfortbildungsreihe des Zentralinistituts für didaktische Forschung und Lehre der Universität Augsburg an und widmet sich im Wintersemester 2008/09 der wissenschaftlichen Erörterung des Zusammenhangs von Migration, Integration und Bildung durch den international renommierten Migrationsforscher Klaus J. Bade sowie der Förderung interkultureller Kompetenzen in Form zweier Workshops. Der Vortrag von Herrn Prof. Dr. Klaus Bade wendet sich an Lehrkräfte ebenso wie an Mitglieder der Schulleitungen und der Schulverwaltung sowie an interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Veranstalter: Lehrerbildungszentren der Ludwig-Maximilian-Universität München, Technische Universität München, sowie Universität Augsburg und ist Teil der Reihe "Brennpunkte der Lehrerbildung".