Aktuelle Perspektiven der Kulturpolitik und die Interkulturelle Öffnung des Kulturbetriebs in der heterogenen Stadt –
Theoretische Ansätze und Beispiele von Best Practice
Tagung:
Freitag, 27.11.09 und Samstag, 28.11.09
Neue Stadtbücherei Augsburg
Ein Kooperationsprojekt zwischen der
Interkulturellen Akademie Augsburg,
der Universität Augsburg,
Fach Europäische Ethnologie
und
der Stadt Augsburg, Fachstelle für Integration
und interkulturelle Arbeit

Verehrte Referentinnen und Referenten,
verehrte Tagungsgäste,
Wandel leben und aktiv gestalten – im Laufe seiner
Geschichte ist dies für Augsburg zu einer Selbstverständlichkeit geworden! Jede Veränderung birgt vielfältige Chancen. Wer sie erkennt und konsequent nutzt, ist für Gegenwart und Zukunft bestens gerüstet. Unsere Stadt ist – wie viele andere – in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess begriffen. Die Vorstellung von einer homogenen Mehrheitsgesellschaft ist einer vielkulturellen Realität gewichen. Diese Diversität nicht einfach nur abzubilden, sondern sie im Gegenteil aktiv umzusetzen, das ist Aufgabe unserer kommunalen Kulturarbeit. Sie erfordert einen offenen Dialog auf Augenhöhe und die bewusste Abkehr von Stereotypen. Wir wollen eine Kulturlandschaft gestalten, welche die Bedürfnisse und Wünsche aller Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen berücksichtigt. Eine Kulturlandschaft, so vielfältig wie die Menschen selbst, die sich einer Zuordnung im Sinne kulturellen Schubladendenkens oft entziehen.
Kunst und Kultur haben das Potential, Menschen zusammenzubringen und zu verbinden. Indem sie uns auf emotionaler Ebene ansprechen, überwinden sie viele Barrieren mühelos. Wir haben in unserer Friedensstadt Augsburg bereits viele positive Erfahrungen gemacht, nicht zuletzt beim Festival der Kulturen oder beim Festival der 1000 Töne. Interkulturelle Öffnung verlangt aber noch mehr: Alle Einrichtungen und Institutionen müssen die vielkulturelle Realität ganz selbstverständlich in ihre Konzepte und Planungen einbeziehen.
Hier stehen wir noch am Anfang – daher freue ich mich auf die zahlreichen Impulse dieser wegweisenden Tagung! Denn: Unser Ziel ist es, die Zukunft unserer Friedensstadt gemeinsam mit allen Bürgerinnen und Bürgern zu gestalten!
Ich wünsche Ihnen fruchtbare Diskussionen und viele gute Begegnungen!
Ihr Peter Grab
Bürgermeister, Referent für Kultur, Jugendkultur und Sport
Editorial zur Tagung
Hansi Ruile, Interkulturelle Akademie Augsburg
„Die Fähigkeit, mit gesellschaftlichen Unterschieden zu leben, ist die Schlüsselfrage des 21. Jahrhunderts“
Stuart Hall
„Das Gesicht der Städte hat sich durch die Globalisierung von Wirtschaft und Wissenschaft, die Internationalisierung von Handelsbeziehungen und Arbeitsmärkten zunehmend verändert. Die Migration – als Chance wahrgenommen – ist sichtbarer Ausdruck dieses Wandels. Prägend für die multiethnische Gesellschaft – gerade in den großen Städten – ist kulturelle Diversität. Unterschiedliche Kulturen werden aufgenommen, kommunizieren miteinander und wahren ihre Eigenständigkeit.
Vor diesem Hintergrund steht die kommunale Kulturarbeit vor der Herausforderung, die gesellschaftliche Vielfalt nicht nur wahrzunehmen, sondern aktiv Strategien der kulturellenTeilhabe zu entwickeln. Für demokratische und freiheitliche Gesellschaften ist es unerlässlich, dass zukunftsweisende Prozesse der kulturellen und sozialen Integration gelingen. Interkulturelle Kompetenz ist auch ein Faktor für wirtschaftliche Prosperität.
Der programmatische Anspruch, Kunst und Kultur für alle und von allen zu ermöglichen, muss auch für Zuwanderer eingelöst werden. Dazu bedarf es einer Öffnung der bestehenden kommunalen Einrichtungen, Programme und Dienste für die kulturellen Bedürfnisse und Interessen der MigrantInnen, wie auch einer Unterstützung und Förderung ihrer künstlerischen Ausdrucksformen.
Kultur und Kunst sind für einen gelingenden interkulturellen Dialog unverzichtbar. Die den Künsten innewohnende Dynamik, ihr Experimentier- und Innovationscharakter, ihr emotionales Potential und nicht zuletzt die Möglichkeit der nonverbalen Kommuni-kation erleichtern und befördern die Begegnung mit anderen Kulturen und Traditionen und verstärken die wechselseitige Akzeptanz. So können besonders kulturelle Bil-dungsprozesse unterschiedliche Wertvorstellungen und Lebensformen vermitteln. Kenntnis und Verständnis füreinander sind wesentliche Voraussetzungen für ein gewaltfreies Zusammenleben in der Stadtgesellschaft.
Die Städte als Hauptträger der Kultureinrichtungen und der Kulturförderung in Deutschland stehen in einer besonderen Verantwortung, diesen interkulturellen Dialog zu fördern. Gerade vor Ort, in den Stadtquartieren, muss sich das Engagement für den interkulturellen Dialog in grundsätzlichen Positionen ebenso wie in konkreten Kulturangeboten für, von und mit MigrantInnen bewähren. Insofern erfüllen die Künste auch eine unverzichtbare soziale Funktion für das Zusammenleben in den Städten und Gemeinden.“
Soweit die Empfehlungen anlässlich des Kongresses „Vielfalt verbindet“ vom 3.-5. September 2008 in Dortmund, die auch Eingang finden sollen in unsere Tagung „Kunst und Kultur, Migration, Diversity und neuer Kosmopolitismus in der heterogenen Stadt“.
Nach den Tagungen der Interkulturellen Akademie im Nov 05, 06, 07 und 08 setzt sich die Veranstaltungsreihe „Die vielkulturelle Stadt – Zukunftschance oder Krisenherd?“ im November 09 in ihrer 5. Ausgabe mit der interkulturellen Öffnung der Einrichtungen des Kulturbetriebs vor dem Hintergrund der kulturellen Globalisierung, der weltweiten Migrationsbewegungen und der Komplexität unserer Stadtgesellschaften auseinander.
Im Mittelpunkt steht dabei zunächst die Beschäftigung mit dem Wandel der heutigen Stadtgesellschaft, die zunehmend von Heterogenität und Differenz in kultureller, ethnischer, religiöser, sozialer und lebensweltlicher Hinsicht gekennzeichnet ist. In einem zweiten Schritt möchte die Tagung dann die damit verbundenen Herausforderungen für die Kulturpolitik, die Einrichtungen des Kulturbetriebs und der Kulturszenen mit theoretischen Ansätzen und konkreten Beispielen unterschiedlicher Kommunen beleuchten.
Gerade die Friedensstadt Augsburg, die im Städteranking bei Menschen mit Migrations-hintergrund mit bis zu 40% an 4. Stelle in Deutschland positioniert ist, steht vor der Aufgabe, den Zusammenhalt und die Kohäsion der durch Super-Diversity gekennzeichneten Stadtgesellschaft durch geeignete Maßnahmen zu fördern und den sozialen Fliehkräften der Fragmentierung glaubwürdig entgegenzuwirken. Kunst und Kultur können hier auf anspruchsvolle und adäquate Weise neue Formen der Anerkennung und des Miteinanders in der Differenz und der Vielfalt auf kreative Weise gestalten. Nicht umsonst findet die Tagung auch im Rahmen des FESTIVALS DER 1000 TÖNE statt, das vor dem historischen Hintergrund des Augsburger Religionsfriedens versucht, den Stellenwert kultureller Strategien und künstlerischer Praxis im Umgang mit Vielfalt und Differenz auszuloten. Es kann bei der Tagung und beim FESTIVAL DER 1000 TÖNE allerdings nicht um den vordergründigen Versuch gehen, die Kultur im Sinne einer falsch verstanden Assimilationsabsicht oder naiver Multikulti-Fantasien zu instrumentalisieren, sondern im Gegenteil darum, kulturelle und künstlerische Perspektiven im Diskurs um den Respekt vor Differenz und Anerkennung von Vielfalt in der pluralen Zivilgesellschaft zu entwerfen. Einen besonderen Stellenwert haben bei den Tagungen der Interkultu-rellen Akademie in diesem Zusammenhang immer die weltweit agierenden und lokal verorteten Jugendkulturen wie zum Beispiel HipHop eingenommen, da sie in ihren transnationalen Ausformungen und ihren lokalen Strategien neue Wege von individuellem Kompetenzerwerb und eigenständigem künstlerischem Ausdruck im Kontext von Szenen in einer globalisierten Welt vermitteln. Als konkretes Beispiel sei hier das jugendkulturelle Tanz-Theater-Projekt RAP FOR PEACE zwischen dem Theater Augsburg, dem Stadtjugendring und dem Kulturhaus Kresslesmühle genannt, das im Tagungsumfeld im Rahmen des FESTIVALS DER 1000 TÖNE mit seiner neuen Produktion „Body Talks“ am 29. November in der Komödie Premiere hat.
Die beiden Beispiele belegen, dass Augsburg sich auf den Weg gemacht hat mit einer gewandelten Kulturpolitik auf den Wandel der Gesellschaft zu reagieren. Die Tagung zeigt aber insbesondere mit den Beispielen der Kulturpolitik in Nürnberg, in Mannheim und in Nordrhein-Westfalen, wie sich die Kommunen und die Länder Deutschlands im Umgang mit Migration, Interkulturalität und Globalisierung kulturell neu ausrichten und Wege für die interkulturelle Öffnung unserer Städte im Zeitalter der Globalisierung entwickeln.
Die Tagung ist neben ihrer theoretischen Einführung stark praxisorientiert und richtet sich nicht nur ein wissenschaftliches Fachpublikum und Studierende, sondern ausdrücklich an alle in der praktischen (inter)kulturellen, jugendkulturellen, sozialen, schulischen und künstlerischen Arbeit Tätigen oder an ihr Interessierten.
Tagungskonzeption
Hans Joachim Ruile,
geb. 1949, verheiratet, 1 Kind, seit Eröffnung des Kulturhauses Kresslesmühle 1977 Geschäftsführer für Konzeption und künstlerische Leitung. 1985 bis 2004 Internationales Theaterfestival LA PIAZZA. Seit 1997 das interkulturelle FESTIVAL DER 1000 TÖNE. 2005 Gründung der Interkulturellen Akademie Augsburg in Zusammenarbeit mit dem Mesopotamien e.V.. Seitdem vielfältige Tagungen, Fortbildungen und Veranstaltungsreihen zu interkulturellen Themen. 2007 Verleihung des Kulturpreises der Kulturpolitischen Gesellschaft an das Kulturhaus Kresslesmühle, insbesondere in Anerkennung des 30jährigen interkulturellen Engagements und der Gründung der Interkulturellen Akademie.
Nach 30 Jahren ist die Kresslesmühle ein Kulturzentrum, das im Bereich der Kleinkunst und des Kabaretts mit zwei nationalen Festivals zu den Topadressen in Deutschland zählt. Gleichzeitig ist die Mühle ein wichtiger Ort für Interkulturelle Kultur und Bildungsarbeit, Bürgerengagement, Kommunikation, künstlerische Experimente und eine offene Bühne für den Nachwuchs geblieben. Mehr ins Zentrum gerückt ist die kulturelle Pluralität und der Umgang mit dem dramatischen demografischen Wandel der Städte. Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass eine moderne Kulturpolitik an den Schnittstellen zwischen Bildung, Kultur und Sozialem eine gesellschaftspolitische und demokratische Verantwortung auch in ihrem konkreten Handeln hat.
Anmeldung bei:
Kulturhaus Kresslesmühle, Barfüßerstr. 4, 86150 Augsburg
Tel. 0821-37170, Fax: 0821-516723, muehle@gmx.biz
Anmeldeschluss:
25. November 2009
Teilnehmergebühr:
30,– € / ermäßigt: 10,– €
Überweisung an:
Kulturhaus Kresslesmühle
Stadtsparkasse Augsburg
Kto. 144 210 2, BLZ 720 500 00
Stichwort: „Kultur, Migration und Diversity“
Tagungsort:
S-Forum, Neue Stadtbücherei, Ernst-Reuter-Platz 1
Termin:
Freitag, 27.11.09, 9.00 bis 18.00 Uhr
Samstag, 28.11.09, 9.00 bis 17.00 Uhr
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