ORIENT UND OKZIDENT TEIL II
Ein Zusammenprall der Kulturen in der globalisierten Welt?
Veranstaltungsreihe Frühjahr 2006
Ein zentrales Thema der Interkulturellen Akademie Augsburg sind die historischen und aktuellen Verflechtungen zwischen Europa und dem Nahen Osten, dem verkürzt so bezeichneten „Christlichen Abendland” und dem „Muslimischen Orient”.
Die erste Tagung behandelte die Möglichkeiten der Integration des Islam in Deutschland, die Reihe
„Christentum und Naher Osten” beschäftigte sich mit der Geschichte und der aktuellen Situation der christlichen Kirchen und ihrer Gläubigen als kulturell-ethnisch-religiöse Minderheiten im Orient. In weiteren Schritten möchte sich diese Reihe dem komplexen Thema des Verhältnisses zwischen Europa und dem Orient zuwenden, das über einen sehr langen Zeitraum bis in unsere aktuellste Gegenwart hinein von einem intensivem Austausch, vielen Gemeinsamkeiten, aber auch von politischen, religiösen und kulturellen Differenzen und Konflikten gekennzeichnet ist.
Der 11. September 2001 und seine Folgen dokumentieren auf grauenvolle Weise die terroristischen, militärischen und fundamentalistischen Potentiale eines eventuellen „Krieges der Kulturen“. Der „Karikaturenstreit” und die damit auf beiden Seiten verbundenen Instrumentalisierungen führen diesen auf erschreckende Weise vor Augen und belegen so nachdrücklich die Notwendigkeit des Dialogs zwischen den Kulturen. Durch den Prozess der Globalisierung und die Anwesenheit von etwa 15 Millionen Muslimen in Europa, davon allein 3,5 in Deutschland, ist die Notwendigkeit des Orient-Okzident-Dialogs und des Verständnisses des „Anderen” sowie der Kenntnisse der Geschichte und der Entwicklung der Gemeinsamkeiten und der Konflikte zwischen Orient und Okzident, die Voraussetzung für den kompetenten Dialog sind, im Sinne von friedenssichernden innen- und außenpolitischen Maßnahmen noch dringender geworden. Der Irakkonflikt, fundamentalistischer Terror und Massenhysterie, gegenseitige Feindbilder und die äußerst kontroverse Diskussion um den EU-Beitritt der Türkei belegen dies sehr eindringlich.
Programm:
„Europa und die Türkei“
Prof. Dr. Rudolf Grulich
Universität Gießen
„Was heißt eigentlich ,Orient’ und ,Okzident’?“
Dr. Jörn Thielmann
Kompetenzzentrum Orient-Okzident, Universität Mainz
„Alles getürkt“ – 500 Jahre (Vor-) Urteile der Deutschen gegen die Türken
Dr. Margarete Spohn
„Religiöse und ethnische Minderheiten in der Türkei vor dem Hintergrund der EU-Beitrittsverhandlungen“
Hayrettin Aydin
Universität Bremen, Abteilung Religionswissenschaft/-pädagogik
„Der neue Irak“ – Nationalstaat oder ethnisch/konfessioneller Flickenteppich?
Dr. Henner Fürtig
Deutsches Orient-Institut, Hamburg
„Die politischen und ökonomischen Auswirkungen der EU-Mitgliedschaft der Türkei“
Yunus Ulusoy
Zentrum für Türkeistudien, Universität Essen
„Die Kontinuität eines Genozid: Fallbeispiel Assyrer Die aktuelle Situation der assyrischen Christen im Nahen Osten, insbesondere im Irak“
Shlemon Yonan
Gesellschaft für bedrohte Völker
„Der Schrecken Gottes" – Attar, Hiob und die metaphysische Revolte
Navid Kermani
„Kaukasus: Vom „Land der Verheißung“ zum Pulverfass: Die Geschichte der Deutschen in Georgien vor dem Hintergrund der ethnischen Konflikte in der Kaukasusregion“
Dr. Ortfried Kotzian
Leitender Regierungsdirektor am Haus des Deutschen Ostens in München