Donnerstag, 25. September 2008, 19.30 Uhr
Mesopotamien Verein, Mendelssohnstr. 21
Eintritt: 5,00 €
Aleviten und Sunniten in der Türkei und in Deutschland – religiöse und kulturelle Differenz
Prof. Dr. Raoul Motika
Lehrstuhl für Turkologie, Asien-Afrika-Institut,
Universität Hamburg
Entgegen weit verbreiteter Auffassungen ist die Türkei ein religiös sehr vielfältiges Land. Die größte religiöse Gruppe neben den sunnitischen Muslimen sind die Aleviten, die ungefähr 15 Prozent der dortigen Bevölkerung ausmachen und unter den in Deutschland lebenden Menschen türkischen Hintergrunds eher einen noch größeren Anteil stellen. Ihre Geschichte in der Türkei wird von ihnen selbst als eine Geschichte der Unterdrückung durch den sunnitisch dominierten osmanischen Staat gesehen. Bis in die jüngste Vergangenheit wurden sie Opfer von Pogromen und religiöser Unterdrückung, wie beispielsweise beim Brandanschlag auf ein alevitisches Kulturfestival 1993 in Sivas, bei dem 38 Menschen starben. Im Vortrag wird das spannungsreiche Verhältnis zwischen Sunniten und Aleviten behandelt, die wesentlichen Glaubens- und Kulturunterschiede besprochen und dann auf das alevitische Leben in Deutschland eingegangen.
Prof. Dr. Raoul Motika, (geb. 1961) ist Lehrstuhlinhaber für Turkologie am Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg und Direktor des Heidelberger Centrums für Euro-Asiatische Studien (HECEAS e.V.). Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geschichte, Politik und Religion im turko-iranischen Raum. An der Universität Hamburg koordiniert er das Türkei-Europa-Zentrum. Er lebte einige Jahre im Vorderen Orient und besucht die Länder der Region (Türkei, Iran, Kaukasien, Wolgaraum und Zentralasien) regelmäßig zur Feldforschung und für politische Arbeitsaufenthalte. Vor dem Hintergrund dieser breiten Erfahrungen arbeitet er auch zu Fragen der gesellschaftlichen Integration von Muslimen in die deutsche und europäische Gesellschaft.