Der Islam in deutschen Medien
Dr. Sabine Schiffer
Obwohl in den letzten Jahren von Medienseite durchaus ein Bemühen um ein differenziertes Islambild feststellbar ist, haben sich einige Stereotype als Wissen bei vielen Menschen festgesetzt. Dazu gehören zumindest die Vorstellungen, dass Gewalt irgendwie zum Islam gehöre, muslimische Frauen grundsätzlich unterdrückt sind und Islam und Muslime sich noch in die Moderne entwickeln müssen.
Diese vermeintlichen Wahrheiten und Angst machende Ereignisse sowie deren Einordnung als "islamische Taten" haben darüber hinaus ein regelrechtes Feindbild Islam geschaffen. Dieses ist nützlich und wird innen- wie außenpolitisch genutzt und weiter bedient. Dabei sind Medien als Vehikel des Anschürens eines sog. Kulturkampfes fest eingeplant. Aber im wesentlichen handelt es sich beim Islambild um ein großes Missverständnis, gespeist aus eingeübten und nicht reflektieren Darstellungstraditionen – die es bei anderen Themen in gleicher Weise gibt.
Bestimmte Rituale der Darstellungen speisen sich sowohl aus äußeren Ereignissen, als auch aus den Erwartungen von Medien-machern und Mediennutzern, die wie ein Filter wirken und einige Fakten zur Kenntnis nehmen, andere nicht.
Anhand von Beispielen werden diese Mechanismen beleuchtet und dargestellt, wie wir Mediennutzer bestimmte „Fallen“ entlarven können. Denn Mediendarstellungen können unsere
persönlichen Erfahrungen nicht ersetzen, aber doch fleißig mitstrukturieren. Darum ist ein Bewusstsein für bestimmte Abläufe immer hilfreich – nicht nur in Bezug auf das Islambild.
Sabine Schiffer gründete 2005 das Institut für Medien-verantwortung (IMV), das man unter www.medienverantwortung.de besuchen kann. Sie hat zum Islambild in deutschen Medien promoviert und führte dabei die Disziplinen Sprach-, Medien- und Islamwissenschaften sowie Psychologie zusammen. Sie arbeitet seit 15 Jahren als Medienpädagogin und neben Vorträgen und Seminaren dienen etliche Publika-tionen der Analyseergebnisse des IMV, um mit allen ins Gespräch zu kommen. Schwerpunktthemen sind Diskriminie-rung durch Mediendarstellungen, Kriegspropa-ganda, kommerzielle und politische PR- und Lobbyarbeit, Gewaltver-herrlichung und Medienerziehung. Einen breiten Raum nehmen Anstrengungen ein, vernachlässigte Themen sichtbarer zu machen – wobei sich der Anspruch von Medienverant-wortung an Medienmacher und Mediennutzer gleicher- maßen richtet.
