Die Türkei zwischen Islam, Laizismus und Demokratie
Cemal Karakas
Die Türkei ist eines der wenigen muslimischen Länder, in dem der Islam nicht Staatsreligion und gleichzeitig der Laizismus in der Verfassung verankert ist. Vielen gilt sie als demokratisch-säkulares Leitbild für islamische Staaten im 21. Jh. Aller-dings ist gerade in jüngster Vergangenheit das gesellschaftspolitische Spannungs-verhältnis zwischen den laizistischen Kemalisten und Islamisten deutlich geworden und stürzte die Türkei in eine ernste Staatskrise, die bis heute andauert. Die Kemalisten, vor allem das türkische Militär und die Staatsjustiz, werfen der regierenden religiös-konservativen Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) unter Premierminister Erdogan vor, dass sie die Türkei sukzessive in eine islamische Republik nach dem Vorbild Iran transformieren möchte. Cemal Karakas zeichnet in seinem Vortrag den einzigartigen Säkularisierungsweg der Türkei nach und untersucht gleichzeitig den historischen Islamisierungsprozess bis hin zur Entstehung der Regierungspartei AKP. Hierbei geht es um die Frage, ob von der AKP tatsächlich die Gefahr einer massiven Islamisierung von Staat, Politik und Gesellschaft und damit eines möglichen Endes der republikanisch-demokratischen Grundwerte der Türkei ausgeht.
Cemal Karakas, 1973, geboren in Mustafakemalpasa/Türkei . Studium der Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Germanistik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M. Erasmus-Stipendiat am Institut d’Etudes Politiques (IEP), Januar 2001 Magister Artium, Büroleiter und Referent im Europäischen Parlament, seit 2005 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, seit 2008 Wissenschaft-licher Mitarbeiter der Professur für Politikwissenschaft Goethe-Universität Frankfurt am Main.
