Islam, Umweltschutz und nachhaltiges Handeln
Dr. Sigrid Nökel
Die verschiedenen Ereignisse, angefangen beim 11. September 2001 über die nachfolgenden Attentate bis hin zum Karikaturenstreit, die das Terroristen-Schema endgültig etabliert haben, werfen von Neuem die Frage nach den integrativen Kräften und Potenzialen der westlichen Gesellschaften auf. Gefragt ist Bewegung auf allen Seiten. Mit dem universell gültigen Umweltdiskurs scheint sich ein Raum aufgetan zu haben, in dem diese Bewegung freigesetzt werden kann. Das Umweltfeld, orientiert an praktischen Veränderungen, gibt Impulse, sich selbst zu verändern, frischen Wind in den Umgang mit dem Islam zu bringen. Man kann einen Schritt weiter gehen: Es geht nicht mehr darum, seine Weltanschauung an sich zu verteidigen – eine Sysisphusarbeit, die ihr Ziel (Respekt, Anerken-nung als Gleicher) letztlich nicht erreicht, weil ein hartes Differenzschema zugrunde liegt. Im Umwelt-Feld hingegen steht die Differenz im Hinter-grund, während das Gemeinsame, der Schutz der nicht teilbaren Umwelt, im Vordergrund steht. Wie einerseits der Umweltschutz sich als Brücke zwischen den Kulturen und Religionen erweisen kann, so zeigen andererseits die Kulturen und Religionen, dass sie durchaus geneigt und in der Lage sind, gemeinsame Interessen in den Vordergrund zu stellen.
Dr. Sigrid Nökel ist Soziologin. Sie promovierte an der Universität Bielefeld über „Die Töchter der Gastarbeiter und der Islam“ und forschte am Kulturwis-senschaftlichen Institut Essen (KWI) sowie an der Universität Bremen zum „Euro-Islam“. Für die Stiftung Interkultur führte sie von 2007 bis 2009 eine Expertise zum Verhältnis von Nachhaltigkeit und Religion in Interkulturellen Gärten durch.
