INTERKULTURELLE AKADEMIE AUGSBURG
DIALOG PARTIZIPATION INKLUSION
Montag, 26. April 2010, 19.30 Uhr
vhs Augsburg, Willy-Brandt-Platz 3a
Eintritt: 5,00 €

Kampf der Fundamentalismen und europäische Moderne

Prof. Dr. Heinrich Wilhelm Schäfer
Professur für Systematische Theologie,
Kirchengeschichte sowie Religionssoziologie
an der Universität Bielefeld

Kampf der Fundamentalisten

Fundamentalismus ist heute eines der meistdiskutierten Themen:
Heinrich Wilhelm Schäfer versteht Fundamentalismen als spezifische Strategien unterschiedlicher Modernen. Fundamentalismen wandeln Interessenkonflikte in Identitätskonflikte um. Ziel ist zumeist die Verbesserung der Lage gesellschaftlicher Zwischenschichten. Das Gemeinsame der Fundamentalismen ist daher abhängig von den Interessen, aus denen heraus die verschiedenen Gruppen agieren.
Im islamischen Fundamentalismus drückt sich die Reaktion der Zwischenschichten auf autoritäre, von außen oktroyierte Modernisierung sowie auf mangelnde eigene Aufstiegschancen aus. Daher gilt der islamische Fundamentalismus in den Ursprungsländern als soziale Protestbewegung gegen lokale Regime und die Dominanz des Westens; in der Diaspora als Versuch der Wiedergewinnung von Identität unter Bedingungen der Migration.
In der US-amerikanischen Moderne dagegen ist Fundamentalismus innenpolitisch eine Reaktion auf die vermeintliche „Verunreinigung“ des Ursprungsmythos, außenpolitisch auf vermutete Gefährdungen des Bestandes und der Entfaltung des politischen Systems der USA. Fundamentalismus artikuliert sich hier biblizistisch und apokalyptisch sowie als Legitimation einer hegemonialen Außenpolitik.
Europa könnte ein Gegengewicht darstellen: Die starke Tradition einer reflexiven Moderne könnte den verschiedensten Formen des Fundamentalismus entgegenwirken. Heinrich Wilhelm Schäfer stellt die aktuellen weltpolitisch wirksamen Konstellationen der Fundamentalismen dar. Als „fundamentalistisch“ sind diejenigen religiösen Bewegungen zu bezeichnen, die an der Politisierung der Moderne teilhaben wollen, dabei aber ihre eigenen religiösen Vorstellungen verabsolutieren, um die Gesellschaft nach ihren Utopien umzugestalten.

Prof. Dr. theol. habil., Dr. phil. (rer. soc.) Heinrich Wilhelm SchäferHeinrich Wilhelm Schäfer, Prof. Dr. theol. habil., Dr. phil. (rer. soc.)
Jahrgang 1955, Akademische Tätigkeiten:  
Seit 2006 Evangelische Theologie und ihre Didaktik (Systematische Theologie, Kirchengeschichte, W3) sowie Religionssoziologie an der Universität Bielefeld, Fakultät für Geschichte, Philosophie und Theologie sowie Fakultät für Soziologie. 2003 bis 2006 Lehrbeauf-tragter für Religionssoziologie, Universität Hannover.
1995 bis 2003 Professor für Systematische Theologie und Soziologie an der Universidad Bíblica Latinoamericana sowie Professor für Religions- und Kulturwissenschaften an der Universidad Nacional, San José, Costa Rica. Lehre und Forschung in verschiedensten Ländern Lateinamerikas. 1998 bis 2003 interkulturelle Forschungs-gruppe zu Religionen in der Globalisierung, Chateau de Bossey, Genf. 1992 bis 1994 Lehrauftrag für ökumenische Theologie an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Ruhr-Universität, Bochum. 1989 bis 2006 Vikar und Pastor der Evangelischen Kirche von Westfalen. 1983, 1985/86 Feldforschung zu religiösen Bewegungen (Schwerpunkt Pfingstbewegung) in Bürgerkriegen Zentralamerikas.