Die Zukunft der Christen im Vielvölkerstaat Irak –
Anregungen für ein Handeln Europas

Der Minderheitenfachmann Professor Rudolf Grulich hat in vielen Veröffentlichungen und Vorträgen zur Lage der Christen im Irak Stellung genommen. Seine langjährigen Studien und seine Beziehungen und aktuellen Kontakte zu Christen aus dem Irak und syrischen Christen aus der Türkei und Syrien haben ihn davon überzeugt, das Thema „Die Zukunft der Christen im Vielvölkerstaat Irak – Anregungen für ein Handeln Europas“ auf internationaler Ebene zu verhandeln, denn der Irak ist heute ein Land, das in ein schiitisches, sunnitisches und ein kurdisches Gebiet dreigeteilt ist und darüber hinaus noch verschiedene andere religiöse und ethnische Minderheiten zählt. Im Gegensatz zu den meisten mehrsprachigen Ländern Europas spielt im Irak die Religion eine große Rolle. Die meisten Sunniten und Schiiten sprechen Arabisch. Bei den Kurden sind beide islamischen Bekenntnisse vertreten, aber die Kurden definieren sich durch Sprache und Tradition als Ethnie. Muslime sind auch die Turkmenen. Viele Kurden sind Yeziden. Die Christen gehören mit wenigen Ausnahmen (Armenier, Orthodoxe des Patriarchates Antiochien und Lateiner) den verschiedenen syrischen Kirchen an. Um die konfessionelle Zersplitterung (Chaldäer, Nestorianer, Syrisch-Orthodoxe und syrisch-katholische Gläubige, Protestanten) zu überbrücken, wird seit dem 19. Jahrhundert der Nations-Begriff Assyrer oder Suryoyo gebraucht, deren Zahl seit 2003 durch Terror, Flucht und Vertreibung mehr als halbiert ist. Prof. Grulich ist der Ansicht: „Europa hat das Gift des Nationalismus in den Orient gebracht. Europäische Staaten bzw. Regierungen tragen seit dem Beginn des 20. Jahrhundert Mitschuld an den dortigen Konflikten (Palästina, Zypern), auch im Irak. Deshalb ist es heute unsere Pflicht als Europäer, auch Hilfe zu leisten und Wege des Miteinanders von verschiedenen Volks-gruppen und Religionen in einem Staat wie dem Irak aufzuzeigen.“
Prof. Dr. Rudolf Grulich, geb. 1944, nach dem Studium der katholischen Theologie und der slawischen Sprachen in Königstein im Taunus, Augsburg und Zagreb war er für die Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung in München tätig sowie wissenschaftlicher Assistent an den theologischen Fakultäten der Universitäten Bochum und Regensburg. Heute lehrt er Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Besonders beschäftigt er sich mit Geschichte und Kultur der böhmischen Länder, den Kirchen in Osteuropa und im Orient sowie mit Volksgruppen und Minderheiten in Europa und im nahen Osten. Der renommierte Kirchenhistoriker leitete von 1982 bis 1985 die Informationsabteilung des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ in Königstein im Taunus. Bis heute berät er „Kirche in Not“ unter anderem zu den Themen Osteuropa, Islam und Türkei. Als Experte von "Kirche in Not" kommentierte Grulich unter anderem den Türkei-Besuch von Papst Benedikt XVI. live in der ARD.
