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Dankesrede von Hansi Ruile |
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Aschermittwoch 21. Februar 2007, Goldener Saal |
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Sehr verehrte Frau Dr. Kolland, Lieber Herr Dr. Rossmeissl, Der Kulturpreis der Kulturpolitischen Gesellschaft geht nach 25 Jahren erstmals wieder nach Bayern, zunächst 1981 an das KOMM in Nürnberg, das zusammen mit der Kresslesmühle zum Urgestein der Soziokultur in Bayern zählt und 2006 an die Mühle, die heute auch ihr 30jähriges Bestehen feiert. Meine sehr verehrten Damen und Herren ich muss gestehen, dass wir darauf in der Mühle und beim Mesopotamien Verein mächtig stolz sind. Ganz herzlichen Dank auch Ihnen Herr Oberbürgermeister für die Würdigung unserer Arbeit, die allerdings auch nur deshalb möglich war, weil uns die Stadt Augsburg immer gefördert und unterstützt hat. Danke für die Unterstützung und die Zusammenarbeit in diesen 30 Jahren. Die Mühle ist ein Kind dieser Stadt. Dank auch an Gino Chiellino, den Ideengeber und Initiator des Internationalen Künstlermpfangs Die Reise hält an - übrigens ein Buchtitel von ihm aus den 80er Jahren über das Wirken von Künstlern nichtdeutscher Herkunft in unserer Republik in dessen Rahmen wir heute ganz bewusst diese Preisverleihung und unser Jubiläum begehen und weswegen wir einen Abend mit einem großen Kulturprogramm erleben dürfen. Gerade der Internationale Künstlerempfang ist die geeignete und kongeniale Plattform für die Verleihung des Kulturpreises der Kulturpolitischen Gesellschaft, vermittelt DIE REISE HÄLT AN doch eindringlich mit den Mitteln der Kunst und der Kultur die Chancen und Potentiale, die Herausforderungen und Fragestellungen einer pluralen, vielkulturellen Gesellschaft. Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Dorothea Kolland, sehr geehrter Herr Dr. Rossmeissl, ich höre in den letzten Tagen im Zusammenhang des 30 jährigen Jubiläums der Kresslesmühle, in der ich diese 30 Jahre ja an verantwortlicher Stelle tätig war, verdächtig oft die Begrifflichkeit Lebenswerk, das klingt nach Abschluss und Fertigstellung einer Aufgabe und konnotiert so das Ende einer Entwicklung, eines Weges. Für einen Akteur, der sich selbst als einen leidenschaftlichen Anwalt des erweiterten Kulturbegriffs versteht und für den die gesellschaftspolitische und soziale Verantwortung von Kultur ein zentraler Bestandteil seiner Arbeit war und ist, sind dies bedrohliche und beängstigende Perspektiven. Dies allerdings nicht deswegen weil man selbst 30 Jahre älter geworden ist, sondern deswegen, weil mit Aussagen dieser Art auch leicht die Botschaft verbunden werden könnte, als hätten sich die Ziele, Inhalte und die Methoden unserer Arbeit in diesem 30jährigen Prozess nicht verändert, sondern wären statisch geblieben und deshalb veraltet und somit auch nicht zukunftsfähig. Meine Damen und Herren, wir befinden uns mit der Kresslesmühle aber keineswegs am Ende eines Weges, sondern an einer neuen Wegmarke mit einem ganzen Berg von Aufgaben vor uns. Lieber Herr Dr. Rossmeissl, liebe Dorothea Kolland, ich möchte mich bei Ihnen und der Kulturpolitischen Gesellschaft gerade deswegen sehr herzlich bedanken, dass Sie mit der Verleihung des Kulturpreises eben nicht nur eine Generation Soziokultur am Beispiel der Kresslesmühle ehren, sondern dass Sie ganz explizit das Zukunftsformat unserer Arbeit, nämlich die Interkulturelle Akademie und die interkulturelle Kultur- und Bildungsarbeit der Kresslesmühle ausgezeichnet haben. Wenn soziokulturelle Zentren mit Vorschlägen und Impulsen den Wandel der Gesellschaft konstruktiv-kritisch begleiten sollen, dann müssen sie sich auch selber selbstkritisch diesem Wandel stellen. Nur soerklärt sich letztlich ihre Legitimation, Zukunftsperspektiven, ja auch Visionen zu entwerfen und modellhaft an diesen zu arbeiten. Die Kresslesmühle hat deshalb mit ihrer inhaltlichen Um- und Neuorientierung in den letzten 3 Jahren versucht mit neuen interkulturellen Schwerpunkten ihren eigenen Beitrag zum dramatischen Wandel der Stadtgesellschaft zu leisten. Dieser inhaltliche Umbau und die damit verbundene strukturelle Professionalisierung und Spezialisierung war für uns nicht ohne Brüche und gewisse Risiken zu vollziehen. Und ich versichere Ihnen, es war für uns kein leichter Weg diese Neuerungen und die erfolgten, auch finanziellen Konsolidierungen aus eigener Kraft zu entwickeln und umzusetzen. Die konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt war dafür eine wichtige Voraussetzung, wofür ich mich an dieser Stelle bedanken möchte. Die schwierige Entscheidung für die Einstellung des Theaterfestivals LA PIAZZA war wesentlich begründet durch die Absicht sich in Absprache mit der Stadt Augsburg verstärkt den neuen Herausforderungen der vielkulturellen Gesellschaft mit der Entwicklung von unterschiedlichen und insbesondere vernetzten Projekten der interkulturellen Kultur- und Bildungsarbeit zuzuwenden. Mit der Interkulturellen Akademie, die wir in Partnerschaft mit der Migrantenorganisation Mesopotamien Verein betreiben, mit dem Festival der 1000 Töne und nicht zuletzt mit dem Internationalen Künstlerempfang hat die Kresslesmühle sich regional und überregional ein neues inhaltliches Profil gegeben. Im Diskurs auf nationaler Ebene und im Austausch und der Kooperation mit den kommunalen interkulturellen Hearings, dem Weißbuchprozess, seinen querschnittsorientierten Integrationsmodellen und dem PAX-Büro für Frieden und Interkulturalität möchte die neu positionierte Mühle nun verstärkt die Fragen der Gestaltung und der Organisation des Miteinanders in der heterogenen Gesellschaft in Augsburg - die als Friedensstadt hier auch international ein Beispiel sein will - aufgreifen und praktische Wege ihrer Umsetzung entwickeln. Ging es in der Vergangenheit verstärkt darum die Wahrnehmung der interkulturellen Wirklichkeiten unseres Gemeinwesens und die damit verbundene Anerkennung und Unumkehrbarkeit dieser neuen Realitäten ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken - ich möchte hier insbesondere an die Gründung von FILL erinnern - so geht es nun in einem nächsten Schritt darum, die daraus resultierenden Konsequenzen und Maßnahmen auf zivilgesellschaftlicher Ebene vernetzt umzusetzen. Im Mittelpunkt stehen bei unserer konkreten Neuausrichtung dabei Projekte, welche die interkulturelle Öffnung und interkulturelle Kompetenz in die unterschiedlichsten kulturellen, sozialen und bildungsspezifischen Institutionen unserer Gesellschaft, aber auch in die Bereiche Wirtschaft und Publizistik hineinzutragen versuchen. Vielleicht ist in diesem Zusammenhang das interkulturelle Tanzprojekt RAP FOR PEACE ein gutes Beispiel, bei dem das Theater Augsburg mit seinen Profitänzern und der Stadtjugendring mit 45 Jugendlichen aus den Jugendhäusern Kosmos und K 15 auf Initiative der Kresslesmühle eine erfolgreiche neue inhaltliche theaterpädagogische, jugendkulturelle und strukturelle Kooperation eingegangen sind. liebe Dorothea Kolland und sehr verehrter Herr Rossmeissl, Gerade die Verleihung des Kulturpreises durch die Kulturpolitische Gesellschaft, bestätigt und bestärkt uns auf diesem neu eingeschlagenen Weg. Der Kulturpreis verschafft uns die Anerkennung und gibt uns den Mut unter gewandelten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen als unabhängiger, zuweilen auch als kritischer und unbequemer, aber immer konstruktiver Partner nach Lösungsansätzen zu suchen und Vorschläge zu machen. Der Kulturpreis bestärkt uns als gesellschaftspolitisch und sozial engagierte Kultureinrichtung insbesondere im Bereich interkultureller Kultur- und Bildungsarbeit querschnittsorientiert z.B. mit der Universität, dem Theater, vielleicht auch den Museen, den Schulen, der VHS, den Jugendhäusern und insbesondere mit den Migrantenorganisationen und Gemeinden vernetzte Projekte zu entwickeln und so die notwendige interkulturelle Öffnung unserer Gesellschaft zu befördern. Der Kulturpreis der Kulturpolitischen Gesellschaft bestätigt eindrücklich die Richtigkeit des vollzogenen Perspektivewechsels unserer Arbeit, dies übrigens auch im Kontext der neuen Integrationspolitik in Augsburg. Dafür nochmals ganz herzlichen Dank an die Kulturpolitische Gesellschaft. Zum Schluß möchte ich mich noch bei allen Mitarbeitern, Kolleginnen und Kollegen, allen Freunden, Unterstützern und Sponsoren, die uns in guten und in schlechten Zeiten in diesen 30 Jahren begleitet haben, von ganzem Herzen bedanken und mich bei ihnen für meine stetige Ungeduld und für meinen gelegentlichen, um nicht zu sagen häufigen inhaltlichen Starrsinn entschuldigen. Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle natürlich selbstverständlicherweise an alle mitwirkenden Künstler, stehen sie doch im Mittelpunkt des heutigen Abends, der durch die Verleihung des Kulturpreises und unser Jubiläum eine besondere Note erhält, die den Stellenwert der künstlerischen Beiträge nicht schmälern, sondern im Gegenteil gerade herausstreichen soll. Erstmals dürfen wir heuer auch ein kulturelles Programm während des anschließenden Empfangs im Oberen Fletz erleben. Besonderer Dank geht in diesem Zusammenhang an all meine Freunde und Mitstreiter nichtdeutscher Herkunft, denn aus ihnen und durch sie schöpfe ich die Anregungen, die Kraft, die Fantasie, die Kompetenz und den Mut das Unbekannte und Neue zu versuchen, scheinbar Unsichtbares zu erkennen, den Horizont zu erweitern und Herausforderungen mit langem Atem und unter manch vorläufigem Unverständnis und dadurch bedingter Ablehnung, trotzdem aufgreifen zu lernen. Ein nahezu unerschöpflicher Quell ist mir in diesem Zusammenhang der unbändige Optimismus und die zähe Zuversicht unseres Partners bei der Interkulturellen Akademie, des Mesopotamien Vereins, insbesondere in der Person von Gebro Aydin, der für mich als ein Symbol für die Kraft und den Zukunftswillen von vielen Menschen mit Migrationshintergrund in der heterogenen Gesellschaft steht. Für die Zukunft wünsche ich mir noch viele Projekte, die diese Kraft und die damit zu verbindende< Verantwortung für die gemeinsame Gestaltung unserer Zukunft in Vielfalt selbstbestimmt, selbstverständlich und gleichberechtigt in die Zivilgesellschaft einbinden. Ganz besonderen Dank in diesem Zusammenhang auch an die Stadt Augsburg für die Zusammenarbeit bei der Gestaltung und Organisation dieses Abends, danke für die perfekte Kooperation mit dem Integrationsbeauftragten Robert Vogl und für die engagierte und kompetente Unterstützung durch Frau Pia Schaller vom Referat Oberbürgermeister. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Stadtsparkasse Augsburg, die den inhaltlichen Wandel unserer Arbeit nachhaltig ermöglicht, unterstützt und fördert, Für den weiteren künstlerischen, informativen, kommunikativen und lukullischen Verlauf des Abend wünsche ich Ihnen viel Vergnügen und intensive Anregung. Herzlichen Dank Ihnen allen und ich übergebe das Wort an Frau Dr. Kolland. |